Nils Zumbansen

Angsteinflößende Wasserwelten

Flutkatastrophen in der Kunst

Katastrophenbilder sind heutzutage medial stark präsent. Sie erreichen uns sehr schnell und häufig. Bilder von solchen Naturdesastern haben aber auch zu früheren Zeiten die Menschen stark fasziniert in einer Mischung aus Angst und Schaulust.

Bilder, welche die verheerenden Folgen von Erdbeben, Hurrikans, Tornados, Dürren, Überschwemmungen und extremen Wetterphänomenen darstellen, erzeugen oftmals so etwas wie eine Urangst vor Naturgewalten oder der Natur selbst. Die Natur erscheint in diesen Angstszenarien als eine unaufhaltsame, lebensbedrohende und den menschlichen Lebensraum zerstörende Macht. Gegen die erhabene Natur wirkt der Mensch trotz seiner technologischen Möglichkeiten ohnmächtig. Mit Verweis auf die menschliche Angst vor den entfesselten Naturgewalten lassen sich Bezüge zu Vorstellungen der Romantik konstruieren.
Vermenschlichung der Natur in Katastrophenberichten
In Berichten sowie sonstigen Schreckensvisionen über Katastrophen wird die Natur häufig anthropogenisiert bzw. mit menschlichen Eigenschaften beschrieben. Ein Beispiel dafür liefert der Arzt und Historiker Ronald D. Gerste in seinem Sachbuch Wie das Wetter Geschichte macht. Ein Kapitel über den Hurrikan Katrina, der 2005 in New Orleans und in den Golfstaaten der USA großen Schaden verursacht hat, schließt mit folgendem Satz: „Der Hurrikan Katrina hat in der Weltmacht USA das Bewusstsein gestärkt, dass alle technologischen Fähigkeiten, alles Menschenwerk wenig auszurichten vermag gegen den Zorn von Mother Nature (2015, S. 271). Aufgrund solcher Aussagen entsteht nicht nur der Eindruck, dass die Natur „vermenschlicht wird, sondern es wird dabei auch zu einem gewissen Grad suggeriert, dass eine Art Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur/Umwelt existiert. Hiernach verstößt der Mensch durch Umweltverschmutzung oder -zerstörung gegen seine Lebensgrundlage(n), während sich „Mutter Natur dafür in Form von Katastrophen rächt, um auf diese Weise wieder ein Gleichgewicht herzustellen.
Biotische und abiotische Faktoren
In der Ökologie unterscheidet man zwischen den aus der unbelebten Umwelt stammenden abiotischen Faktoren z.B. Sonnenlicht, Bodenverhältnisse, Temperatur, Luft/Wind, Wasser usw. und den sich auf die belebte Umwelt beziehenden biotischen Faktoren z.B. Interaktion und Konkurrieren von Organismen untereinander (vgl. Trefil u.a. 2004, S. 469f.).
Wenn nun in manchen Fällen eine Anthropogenisierung im Zusammenhang mit Hurrikans, Überschwemmungen oder anderen extremen Wetterereignissen erfolgt, werden gewissermaßen die damit assoziierten abiotischen Faktoren in einen anthropogenen Kontext gesetzt. Typische diesbezügliche Ausführungen lauten etwa: „Die Natur holt sich (vom Menschen) ihren Raum zurück. Visuell drückt sich diese Reklamation eines bestimmten geografischen Raumes durch die Natur besonders in Abbildungen von Flutkatastrophen, Überflutungen oder Überschwemmungen aus. Sie verdeutlichen eindrucksvoll die Einnahme des menschlichen Lebensraumes oder des Zivilisationsraums. Ohnehin repräsentiert für die Menschen seit jeher die Sintflut eine Schreckensvision (vgl. Gerste 2015, S. 252).
Aus diesem Grund widmet sich der vorliegende Beitrag zwei anschaulichen Darstellungen von Flutkatastrophen in der Kunst: Das Ölgemälde Szene der Sintflut des französischen Malers Théodore Géricault (Abb. 1 ) wird kontrastiert mit dem Werk Flood von Kota Ezawa (Abb. 2 ) (vgl. Bertsch u.a. 2018, S. 142 u. S. 156).
Die biblische Sintflut als Archetyp
In der vom Christentum geprägten westlichen Welt sind Repräsentationen von Überflutungen insbesondere durch die biblische Geschichte über Noahs Arche im Buch Genesis geprägt worden. Der betreffende Abschnitt in der Bibel weist Ähnlichkeiten zu anderen Quellen der alten mesopotamischen Literatur auf (vgl. Coogan 2008, S. 37f.). Laut dem biblischen Narrativ strafte Gott aus Zorn über das...

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