11. – 13. Schuljahr

Anne Esser

„Der Boden der Tatsachen

Ein Kurzfilm zum Klischee von Horror und Lust

Bildtraditionen in Malerei und Film waren der Ausgangspunkt für ein Filmprojekt mit Schülerinnen und Schülern eines Leistungskurses. Der Film sollte Genre-Klischees aufgreifen und neu interpretieren.

Mein Leistungskurs Kunst hatte mit einem Bewerbungstext bei den hessischen Schulkinowochen den Zuschlag für einen Workshop mit dem Regisseur Hendrik Schmitt bekommen. Als Projektbausteine waren vorgesehen:
  • die Vermittlung filmtheoretischer Grundlagen (Genres, filmische Mittel und Filmanalyse),
  • die Entwicklung einer Filmidee und eines Drehbuches,
  • die Umsetzung der Idee im Team,
  • das Erwerben praktischer Kompetenzen in Kameraführung und Filmschnitt.
Die von den Schulkinowochen gestellte Aufgabe zielte auf einen Genre-Kurzfilm. An insgesamt vier Terminen kam der Regisseur für jeweils vier Stunden an die Schule. In den Zeiten dazwischen arbeitete der Leistungskurs selbstständig weiter.
Als Unterstützung für solch ein Filmprojekt mit Schülerinnen und Schülern kann man auch auf die lokalen Medienzentren und Handreichungen (z. B. K+U 393/394//2015); K+U 415/416//2017) zurückgreifen.
Ablauf des Projektes
Nach einer Einführung zum Begriff „Filmgenre anhand von Beispielen wurden einige Kurzfilme und die kennzeichnenden Merkmale besprochen (z.B. eine überraschende Wendung am Ende usw.).
Ausführlich wurde auf filmische Mittel wie Einstellungsgrößen, Kamerafahrten, Schärfe/Unschärfe usw. eingegangen.
Wahl eines Genres
Die zehn Jugendlichen des Kurses entwickelten in drei Teams Vorschläge für eine kurze Filmhandlung. Verschiedene Genres standen zur Auswahl (z.B. Krimi, Western, Komödie, Horror) alle Jugendlichen einigten sich sofort auf das Genre Horrorfilm. Wegen der Lage der Schule direkt am Waldrand spielten mehrere der Handlungsideen im Wald und konnten daher zum Teil gut kombiniert werden. Am Ende wurde das Drehbuch aus Bausteinen der verschiedenen Vorschläge für den Film zusammengefügt.
Wahl des Themas
Konsens war, dass die Horrormomente nicht um des bloßen Effektes wegen eingesetzt werden sollten, sondern im Sinne einer Botschaft zur Unterstützung der inhaltlichen Aussage des Films.
In einem längeren Diskussionsprozess wurde entschieden, zum Thema des Films die Auseinandersetzung mit Vorurteilen gegenüber Migranten und Vorverurteilungen aufgrund von Ängsten zu machen. Dies lag nahe, da direkt neben der Schule eine leer stehende Kaserne als Asylantenheim genutzt wird und es zu Beginn Ängste und Vorbehalte gegenüber den dort lebenden Flüchtlingen gegeben hatte, die sich jedoch nicht bestätigten.
Film- und Bildanalyse: Angst und Lust
Da die Vorgaben des Wettbewerbs ausdrücklich verlangten, Klischees des Genres in diesem Fall „Horror einzusetzen, zu zitieren und auf originelle Weise damit zu spielen, befassten wir uns nun noch einmal gezielt mit film- und kunsthistorischen Vorbildern für „Angstlust. Es galt, Hinweise aus der Bildanalyse mit der Filmanalyse zusammenzuführen und für die anstehenden Filmarbeiten fruchtbar zu machen (Kasten 1).
1|„Angstlust im Film
1|„Angstlust im Film
  • Sabotage (1936/Alfred Hitchcock), Szene: The Knife Spannung erzeugen und Kameraeinstellungen
  • München (2005/Steven Spielberg) Spannung erzeugen
  • Signs (2002/M. Night Shyamalan) Spannung erzeugen
  • Panic Room (2002/David Fincher) Spannung erzeugen
  • Jurassic Park (1993/Steven Spielberg) Spannung erzeugen, Emotionsträger
  • Anna Karenina (2012/Joe Wright) Nur Trailer: Augenführung
  • Citizen Kane (1941/Orson Welles) Tiefe erzeugen
  • Indiana Jones (ab 1981/Steven Spielberg) Plansequenz (One Shot)
  • Kokowääh (2011/Til Schweiger – Gegenentwurf zu Plansequenz: Hier wurde nur mit schnellen Schnitten gearbeitet.
  • Das Kabinett des Dr. Caligari (1920 /Robert Wiene) Visuelles Design
  • Abbitte (2007/Joe Wright) Wirkung Detail/Totale
  • Scream (1996/Wes Craven) Eröffnungssequenz: Verabredung mit...

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