Anna-Maria Schirmer

Angst und Ausdruck

Angststörungen im Kunstunterricht

Thrill das sind Momente der Angstlust, die zwischen Vergnügen und Horror oszillieren. Wo aber die Angst dominiert, können ernsthafte Angststörungen auftreten. Die Unterschiede zu erkennen, ist für (Kunst-)lehrende nicht immer einfach.

Gegenwärtig ist eine Form der Paradoxie zu beobachten, die auch vor Kindern und Jugendlichen keinen Halt macht: „Noch nie haben Menschen (in den westlichen Gesellschaften) so sicher gelebt wie heute; und doch nehmen Unsicherheitsgefühle und Ängste immer weiter zu. [] Mit diesen neuen Erscheinungen sind nicht nur Ängste strukturell verkoppelt, sondern auch deren Gegenteil: zu viel Sicherheit langweilt, der Thrill von Gefahren wird gesucht die Angstlust (Böhme 2013, S. 279).
Angstlust oder Angststörung?
Im Themenheft Angstlust werden Aspekte der Angstlust erörtert, kulturgeschichtlich beleuchtet und unterrichtspraktisch reflektiert. Jugendliche setzen sich gern mit dem Thrill auseinander, der sich auf der haarscharfen Grenze zwischen Vergnügen und Horror ergibt. Wie bei Erwachsenen auch, steckt in der Auseinandersetzung mit dem, was Furcht erweckt, auch eine Bewältigungsstrategie (Anz 2013, S. 208).
Wenn aber Bewältigungsstrategien nicht mehr greifen oder fehlen, dann kann aus einem gesunden und notwendigen Verhalten eine generalisierte Grundstimmung oder eine fokussierte Phobie werden: „Aus einem Kind, das sich ängstigt, wird ein ängstliches Kind. Manchmal äußert sich dies darin, dass diffuse Ängste gleichsam fei umherschweben und sich auf dieses oder jenes Lebensereignis legen (Baer/Frick-Baer 2010, S. 91).
Nicht selten bleiben Ängste, unter denen Kinder und Jugendliche zum Teil massiv leiden, unerkannt. Zu weit ist das Verhaltensspektrum, das sich angstbedingt einstellt und zu unklar die Grenze zwischen „normal und „pathologisch.
Pathologische Ängste
Aktuellen Untersuchungen folgend, ist davon auszugehen, dass ca. 10% der Kinder und Jugendlichen unter pathologischen, also therapeutisch zu behandelnden, Ängsten leiden.
Allen voran scheinen soziale Ängste zuzunehmen. Schätzungen gehen davon aus, dass mindestens 5% aller Schülerinnen und Schüler die Schule angstbedingt nur unregelmäßig besuchen oder dem Unterricht ganz fernbleiben (Melfsen/Walitza 2013, S. 11). Spätestens, wenn aus einer sozialen Unsicherheit eine ausgewachsene Schulangst wird, die es einem Kind oder Jugendlichen unmöglich macht, die Schule weiter zu besuchen, sind Lehrerinnen und Lehrer direkt betroffen.
Aber schon weit vorher sind wir täglich mit den Ängsten unserer Schüler konfrontiert und brauchen Möglichkeiten, diese einzuschätzen und mit ihnen umzugehen. In der Lehrerausbildung werden unterschiedliche Phänomene der Angst kaum thematisiert, was zu Fehleinschätzungen und Überforderung von Lehrern sowie Schülern führen kann. Auch in der Kunstlehrer-Ausbildung wird diesem so elementaren psychischen Wirkungsfeld wenig Beachtung geschenkt.
Wie werden Ängste sichtbar?
Ängste zeigen sich bei Kindern und Jugendlichen in sehr unterschiedlicher Form: Während ein Kind altersgemäße soziale Aktivitäten vermeidet und über häufige Bauch- und Kopfschmerzen klagt, zeigt ein anderes vielleicht übermäßige Trotzreaktionen und unkontrollierte Wutanfälle. Aber auch geistige Abwesenheit, Nervosität, die Vermeidung von Blickkontakt, Schweigsamkeit und ein verändertes Sprechverhalten können Hinweise auf eine Angststörung sein (ebd., S. 28).
Siebke Melfsen und Susanne Walitza gehen in ihrem Beitrag auf das vielschichtige Phänomen „Angst in der Schule ein. Sie stellen Erscheinungsformen vor, beschreiben Symptome und skizzieren Erklärungsansätze sowie Möglichkeiten des Umgangs mit betroffenen Kindern und Jugendlichen.
im Kunstunterricht
Gerade im Kunstunterricht bedarf es einer besonderen Sensibilität, denn Ängste beeinflussen das bildnerische Verhalten und können sich in Bildern konkret niederschlagen. Jene schüchtern...

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