8. – 13. Schuljahr

Johannes Kirschenmann

Angst, Lust und Angstlust in der Kunst

Dieser MATERIAL-Teil stellt Bilder der historischen und jüngeren Kunst vor, die unmittelbar oder symbolisierend, verweisend oder gebrochen Angst und Lust als Varianten und Pole der Angstlust zu ihrem Thema machen. Entwicklungen, Aufgriffe, Traditionslinien, aber auch die Nuancen werden aus den Differenzen sichtbar.

Bei der Bildauswahl stehen die ästhetischen Mittel im Vordergrund, für die Lust und das Begehren erotische Codierungen aufzuspüren und in ihrem Wandel vom Offensichtlichen zum Verdeckten zu untersuchen.
Auch die Symbole und Indizes der Angst, die häufig über die Figur des Bösen hervorgerufen wird, verwandeln sich.
Einsatz im Unterricht
Angst und Lust gehören zur Alltagswelt aller Kinder und Jugendlichen.
Das hier vorgelegte Material eignet sich ab der 5. Klasse. Die vielfältigen Bezüge besonders zu den heutigen massenmedialen Referenzen sind mit hoher pädagogischer Verantwortung altersadäquat aufzurufen oder für eine Recherche zu bestimmen.
Das lädt ein, die Abbildungen der Werke zunächst in einer Einzelanalyse zu betrachten und, in einer ersten Deutung, vom Sichtbaren aus in eine Sinnerschließung einzutreten.
Vergleichendes Sehen
Das vergleichende Sehen eignet sich besonders für die Kombination von Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit. Arbeitsteilig können die Befunde zu den einzelnen Werkbeispielen vertieft werden:
  • Zentrale Fragen richten sich an die ästhetischen Stilmittel: Was bringt den sinnlich-emotionalen Ausdruck zugunsten von Angst, Furcht, Lust oder Begehren zur Form?
  • Eine weitere wichtige Frage wendet sich an den soziokulturellen Zeitgeist in der Epoche der Bildentstehung. Hier brauchen die Schülerinnen und Schüler Hilfen für ihre Recherche aus dem Fach Geschichte und der Religionsgeschichte.
  • Eine erste Einordnung erfolgt über die Datierung und den Kulturraum der Bildentstehung.
Für viele Werke in diesem MATERIAL-Teil findet sich in den Illustrationen zur Bibel und vor allem in illustrierten Märchen reiches Bildmaterial zum Vergleich.
Ästhetische Praxis
Eine dem Thema angemessene, übergreifende ästhetische Praxis kann mit Blick auf die individuellen Bedingungen der Lerngruppen, ihr Vermögen in der gestalterischen Praxis, nicht benannt werden.
Zur Unterstützung der Rezeption sind immer ikonografische, weit gefasste Tableaus denkbar, die aktuelles Bildmaterial um das historische Werk gruppieren und ein Gespräch über die Korrelationen, Brüche oder Bezüge anstoßen. Wenn Grundlagen im Gestaltungsvermögen der Collage gegeben sind, kann solch ein „Mapping auf collagierende Ensembles ausgedehnt werden.
M1: Begehren und Angst, Lust und Sünde
Die beiden Adam- und Eva-Bildnisse können als Psychogramme der Opposition von Verbot und korrespondierender Angst einerseits und Sinnlichkeit, Lust und erotischem Begehren andererseits gelesen werden. Mit der Renaissance erfährt das Adam- und-Eva-Thema eine rege Aufmerksamkeit, vor allem als religiös bedingtes Genre, das nun eine weltliche Interpretation nach der Behauptung des Individuums mit zunehmender Autonomie erfährt.
Hans Baldung Grien (M-1A ) hat eine Version gemalt, die das religiöse Gebot und all die zugehörenden Bildzeichen nahezu ignoriert. Er stellt Sinnlichkeit und menschliche Selbstbehauptung in den Vordergrund. Hier bieten sich zahlreiche Motivvergleiche zu Dürer, Cranach, Rubens bis in die jüngere Kunst oder die Werbung an:
  • Wie kommt die Sünde ins Bild?
  • Welche Person Adam oder Eva wird als verantwortlich ausgewiesen für die Sünde?
  • Welche Beziehungen zwischen den Bildzeichen werden hergestellt?
  • Welche Aussagen werden damit beabsichtigt?
Masaccios Darstellung der Vertreibung aus dem Paradies (M-1B ) kommt einem für seine Zeit überaus modernen Psychogramm gleich. Dabei steht die Individualität des Menschen im Vordergrund.
Eine erweiterte Einbindung des Adam- und Eva-Motivs kann den Schülerinnen und Schülern über die pointierten Hinweise...

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