10. – 13. Schuljahr

Eva-Maria Sandorova

Alte Bücher ganz neu

Dreidimensionales Arbeiten mit Büchern

In dieser Unterrichtseinheit stellen Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 aus alten Büchern dreidimensionale Buchobjekte her.

Die Unterrichtssequenz beginnt mit einem kurzen Video über den amerikanischen Maler und Bildhauer Brian Dettmer (*1974), der mit alten Büchern als Material arbeitet (https://www.ted.com/talks/brian_dettmer_old_books_reborn_as_art). In diesem Video wird die Arbeitsweise des Künstlers vorgestellt: Brian Dettmer bringt das Buch in eine neue Form und hält diese mit Schraubzwingen, Seilen und Gewichten zusammen. Dieses neue Werk fixiert er mit Lack. Auch die Ecken des Buches werden mit einer dicken Schicht Lack versiegelt, die Seiten des Buches jedoch bleiben innen lose und beweglich.
Nach dieser Vorbereitung schneidet Dettmer das Buch Seite für Seite ein. Er interessiert sich aber nicht nur für das Material, die Textur des Buches, sondern auch für dessen Inhalt, den Text und die Bilder. Bild- und/oder Textelemente, die sein Interesse wecken, bleiben stehen, es wird nichts hinzugefügt. Durch das Ausschneiden der Elemente schafft der Künstler nicht nur neue Oberflächen, Texturen und Kompositionen, sondern auch neue Bedeutungskontexte.
Die Veränderung der Form bringt Buchskulpturen hervor, die den Inhalt des Buches reduziert wiedergeben (https://briandettmer.com/art/).
Dreidimensionales Arbeiten mit Büchern im Unterricht
Im Unterricht sollen nun eigene Buchobjekte hergestellt werden (s. Kasten).
Buchobjekte
Buchobjekte
Buchobjekte können nicht mehr in die Hand genommen, geblättert und gelesen werden. „Sowohl das Künstlerbuch als auch das Buchobjekt sind ein eigenständiges Kunstwerk, doch das Buchobjekt wird der Gattung der Malerei, Plastik oder Graphik zugeordnet (Joosten 2017).
Ausgehend von der Materialität und Textur des Buches wird etwas Neues geschaffen; die gewöhnliche Buchform wird verändert und verfremdet, sodass ganz neue, andere Buchformate entstehen.
Der Transformationsprozess des Buches hin zu einem Buchobjekt kann sogar bis zur Zerstörung des Buches führen.
Bei der Ausweitung des Buchkörpers in den Raum hinein entstehen dreidimensionale Buchskulpturen.
Denkt man an die Erweiterung des Buchformates durch kleine Schachteln, Boxen und Kästchen (z.B. bei FLUXUS) wird deutlich, wie fließend die Grenzen der Buchkunst sind. So können Buchobjekte auch aus buchfremden Materialien gestaltet werden, die ebenfalls den herkömmlichen Gebrauch des Buches unmöglich machen.
Das Buch kann auch Gegenstand von Performances sein wie bei der Performance Mein erstes Buch (1998) von Christian Jankowski. Dabei schrieb der Künstler über die Dauer von sechs Wochen während einer Ausstellung ein Buch.
Die Künstlerin Marta Minujín geht wieder ganz anders an das Buch heran: Auf der documenta 14 erbaute sie aus verbotenen und zensierten Büchern den Parthenon of Books und weist damit auf Meinungsfreiheit und Demokratie hin.
Als Material für das dreidimensionale Arbeiten dienen den Schülerinnen und Schülern alte Bücher, die sie nach dem Inhalt ausgewählt haben (z.B. Märchenbuch, Fachbücher für Architektur oder zur Steuererklärung ).
Experimentierphase und Materialerkundung
In einer experimentellen Phase werden zunächst unterschiedliche Arbeitstechniken und Arbeitsweisen mit Papier erprobt:
  • Welche Formen und Oberflächenstrukturen sind mit Papier möglich?
  • Wie kann Papier bearbeitet werden?
  • Wo liegen Schwierigkeiten und Grenzen des Materials?
  • Wie kann Volumen erzeugt werden?
Bereits für diese Materialerkundung können alte, ausrangierte Bücher verwendet werden. Folgende Arbeitstechniken sind möglich:
  • Volumen erzeugen durch das Falten der Buchseiten,
  • Tiefe, Oberflächen erzeugen durch das Herausschneiden von Buchseiten bzw. Aufkleben von Fragmenten aus Buchseiten,
  • das Buch als Ganzes in seiner Form durch Ausschneiden verändern (z.B.: Form eines Apfels ),
  • Raum schaffen, indem...

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