10. – 13. Schuljahr

Fanny Kranz | Sanne Pawelzyk | Indra Schelble

Zeichnung trifft Buchkunst

Vom MINI_ZINE zum BIG_ZINE

MINI_ZINES bieten sich besonders an, um buchgestalterische Lowtech-Praktiken auszuprobieren. In diesem Beitrag werden fünf konkrete Aufgabenstellungen für die Gestaltung von MINI_ZINES vorgestellt, die schließlich in die freie Umsetzung eines BIG_ZINES münden.

Das Unterrichtsprojekt Vom MINI_ZINE zum BIG_ZINE erarbeitet eine Bandbreite an grafischen und buchgestalterischen Aspekten, die spannende narrative Abfolgen auf den Buchseiten hervorbringen.
Zines ist der Oberbegriff für selbstgemachte Zeitschriften (s. Kasten 1).
Was sind „Zines?
Was sind „Zines?
Der Begriff Zine ist dem englischen Wort „magazine entlehnt und wird als Oberbegriff für selbstgemachte Zeitschriften verwendet.
Zines werden meist im DIY- (Do-It-Yourself-)Verfahren in geringer Auflage im Eigenverlag in kleinen Formaten produziert und dienen z.B. als Kommunikationsmittel innerhalb von Subkulturen.
Es gibt derzeit eine Vielzahl an Zines aus den Bereichen Visueller Kunst, Grafikdesign, Poesie und Comic, die gekennzeichnet sind durch besondere ästhetische Qualitäten im Hinblick auf die druckgrafische Gestaltung und das handwerkliche Know-how (vgl. Klanten/Commentz 2011).
Bildnerische Praxis im Zine-Format
Die Aufgabe MINI_ZINE BIG_ZINE wurde für Studierende der Architektur im ersten Bachelor-Semester konzipiert, lässt sich aber auf den Kunstunterricht in der Sekundarstufe II übertragen.
MINI_ZINE-Format
Für die kunstpraktische Arbeit wurde das klassische Zine-Format gewählt: Das MINI_ZINE ist ein achtseitiges analog gestaltetes Heft, das ohne Bindung und mit einem einzigen Einschnitt aus einem Blatt Papier gefaltet werden kann (Abb. 1 ). Dieses Format bietet mehrere Vorteile:
  • Es kann schnell, einfach und kostengünstig über herkömmliche Kopierer vervielfältigt werden.
  • Das prozesshafte und narrative Gestalten von acht aneinanderhängenden Seiten bietet vielfältige Möglichkeiten, um grafische und buchgestalterische Aspekte wie Materialität, Komposition, Farbe, Narration, Layout und Typografie zu thematisieren.
  • Aufgrund der festgelegten Seitenzahl ist das MINI_ZINE ein handliches Format, das sich in einem zeitlich begrenzten Rahmen im Unterricht gut realisieren lässt.
  • Für die Arbeit am MINI_ZINE sind keine buchbinderischen Kenntnisse notwendig.
BIG_ZINE-Format
Nach einer intensiven Beschäftigung mit dem MINI_ZINE-Format, begleitet von einer Vorlesungsreihe zu zeichnerischen Prozessen, narrativen Erzählstrukturen und bildnerisch-literarischen Collageverfahren, wird anschließend das BIG_ZINE erarbeitet.
Das BIG_ZINE bezieht sich auch auf das Zeitschriftenformat. Es ist jedoch nicht auf ein einzelnes gefaltetes Blatt reduziert, sondern soll ausführlicher und kreativ in Bezug auf Material und Gestaltung ausgearbeitet werden. Es orientiert sich bei der Ausführung weit mehr am Genre des „Künstlerbuches.
Einstieg in gestalterisch-narrative Buch-Konzepte
Als Einstieg ins Thema werden fünf Aufgaben gestellt zur prozesshaften Schulung der gestalterischen Kompetenzen. Jede Aufgabe wird in Form eines achtseitigen MINI_ZINE im DIN A5-Format umgesetzt. Als Ausgangsformat wird ein Papierbogen im DIN A2-Format benötigt.
Die Aufgabenstellungen decken verschiedene inhaltliche und formale Aspekte der Bild- und Layoutgestaltung ab und dienen somit als kunstpraktische Vorstufe für die finale Erstellung des BIG_ZINES.
Bei der Aufgabenstellung wurde bewusst darauf verzichtet, explizite Gestaltungsvorgaben zu benennen, da möglichst vielfältige und individuelle Ansätze selbstständig erarbeitet werden sollten.
Nach jeder Unterrichtseinheit wurden die erarbeiteten MINI_ZINES in der Gruppe intensiv besprochen. Anhand der konkreten Beispiele wurden die jeweils spezifischen ästhetischen Qualitäten und Gestaltungsmerkmale thematisiert. Auch das bewusste oder unbeabsichtigte Brechen klassischer Gestaltungsregeln wurde aufgegriffen und...

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