Cornelia Jäger

Schulgärten

Orte der ästhetischen Erfahrung und des Lernens

Ein Garten ist ein Ort der ästhetischen Erfahrung und der Sinnesbildung. Neben biologischen Kenntnissen werden in Schulgärten die Pflege von Pflanzen, die Schulung der Wahrnehmung sowie die Genussfähigkeit vermittelt. Ein Blick in die Geschichte und Gegenwart von Schulgärten zeigt, dass pädagogische Arbeit in dieser besonderen Form des Gartens auch für den Kunstunterricht förderlich sein kann.

Bereits Johann Amos Comenius (1592 – 1670) forderte 1657 in seiner Didactica magna einen Garten für Schüler: „Die Schule selbst soll eine liebliche Stätte sein []. Draußen soll nicht nur ein Platz vorhanden sein zum Springen und Spielen [], sondern auch ein Garten, in den man sie ab und zu schicken soll, daß sie sich am Anblick der Bäume, Blumen und Gräser freuen können.
Ein Garten sei als Schulgarten definiert, wenn er für die Bildung von Schülern im Unterricht oder zumindest im Schulkontext geschaffen und genutzt wird und somit einen spezifischen pädagogischen Lernort in Form eines Gartens darstellt. Das Besondere an einem Schulgarten ist, dass dessen Gestaltung und Nutzung vorrangig unter pädagogischer Fragestellung und Zielsetzung erfolgt (vgl. Lehnert et al. 2016, S. 9).
Der älteste Schulgarten in Deutschland wurde von August Hermann Francke (1663 – 1727) im Jahr 1698 in Glaucha vor den Toren der Stadt Halle (Saale) angelegt. Der Begriff „Schulgarten entstand allerdings erst viel später. Am Beispiel dieser Franckeschen Stiftungen wird die Geschichte der Schulgärten in Deutschland kurz skizziert (ausführlicher s. Jäger 2013).
Die ersten Schulgärten in Deutschland
Francke gründete ein Waisenhaus und verschiedene Schulen mit Vorbildcharakter und machte sich mithilfe engagierter Mitarbeiter daran, die modernsten pädagogischen Strömungen seiner Zeit in die Praxis umzusetzen (Abb. 1 ).
Besonders weitgehend geschah dies am Königlichen Pädagogium, das Söhne aus dem Adel und vermögenden Bürgertum für ein hohes Schulgeld auf ein Universitätsstudium vorbereitete. Hier wurde im Rahmen des damals neuen Realienunterrichts, der praxisrelevantes Sachwissen vermitteln sollte, das Unterrichtsfach Botanik eingeführt. Zur Veranschaulichung des Botanik-Unterrichts schuf man einen Schulgarten, den sogenannten hortus medicus (medizinischer Garten). Als Orientierung diente die akademische Lehre der Universitäten, die damals zum Teil bereits Arzneipflanzengärten besaßen und mit Studenten botanische Exkursionen durchführten.
Francke wollte die gesundheitlich notwendige Erholungszeit innerhalb des Schultages effektiv nutzen und ließ deshalb das Unterrichtsfach Botanik in den Erholungsstunden mittags unterrichten. Außer den Pflanzennamen wurden die medizinische Wirkung und der Gebrauch der Pflanzen für Arzneizwecke gelehrt. Die Schüler sammelten die Kräuter und legten sie unter Anleitung in ihre Herbarien ein. Als gedruckte Pflanzenbücher mit guten Abbildungen noch rar und teuer waren, stellte das Anlegen von Herbarien eine weit verbreitete Methode zum Erwerb und zur Festigung von Pflanzenkenntnissen dar (Abb. 2 ).
Zeit der Aufklärung
Ende des 18. Jahrhunderts, in der Zeit der Aufklärung, wandelte sich das Verhältnis des Menschen zur Natur. Die „natürliche Erziehung wurde propagiert, der an Naturformen orientierte englische Landschaftsgarten kam in Mode, die Gartenlust und die Lust am Landleben erfasste auch viele Bürgerliche. Die Schüler sollten jetzt selbst im Garten arbeiten und lernten dadurch die Pflanzen kennen. Der Pädagoge August Hermann Niemeyer (1754 – 1828) empfahl: „Auch Gewöhnung zu allerley Handarbeiten stärkt den Körper und verschaft zugleich eine nützliche Thätigkeit. Dies kann nach den Jahreszeiten verschieden seyn. Die beste Beschäftigung ist Gartenbau. Sie kann nicht genug empfohlen werden, und auf dem Lande ist dazu überdies die schönste Gelegenheit. Die Gesundheit gewinnt; der junge Gärtner lernt im Schweiss des...

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