5. – 13. Schuljahr

Sara BurkhardtDer planetarische Garten

Manifesta 12 in Palermo

Bei der zwölften Manifesta, die 2018 in Palermo auf Sizilien stattfand, rückt das Thema Garten auf besondere Weise ins Zentrum. Der Garten wird hier zur Metapher für ein gemeinschaftliches Zusammenleben, die friedliche Koexistenz unterschiedlicher Kulturen.

Palermo, am südlichsten Rand der Europäischen Union, inmitten des Mittelmeeres gelegen, wird seit jeher von Migration bestimmt. Sichtbar wird dies bereits in der Pflanzenwelt, denn schon immer haben Menschen Pflanzen mitgebracht und auf der Insel zurückgelassen.
In dem im Rahmen der Ausstellung erschienenen „Palermo Atlas werden die Herkunftsländer der migrierten Pflanzen in einem Gemälde von Francesco Lojacono visualisiert (Abb. s. http://m12.manifesta.org/manifesta-12-releases-biennial-title/). So wird auf die Vielfalt der Pflanzenwelt Palermos hingewiesen. Gleichzeitig zeigt dieser Blick auf Palermo, dass die Stadt Diversität begrüßt. Zusammen mit dem Klimawandel ist Migration eines der aktuellsten Themen im heutigen Palermo, wie in ganz Europa.
Die Welt als Garten
Der französische Landschaftsarchitekt Gilles Clément entwickelt ab 1997 das Denkmodell eines „Planetarischen Gartens. Nach seinem Prinzip ist die ganze Welt ein Garten, der nicht erweiterbar ist.
Aufgabe der Menschheit ist es demnach, mit Verstand zu gärtnern. Und Gärtnern bedeutet bei Clément, Diversität zu verstehen und zu nutzen, ohne sie zu zerstören. „Die Totalität des ökonomischen Modells, so Clément, „auf dem unsere Gesellschaften beruhen, steht dem planetarischen Garten frontal entgegen, nicht nur, weil es das Gleichgewicht durch gerechtes Teilen der Gemeingüter dereguliert, sondern auch, weil es die biologischen Kräfte des Gartens beschädigt und so das Leben auf der Erde bedroht. (Clément 2015, S. 24). Der Garten ist bei Clément ein politischer Ort, ein Ort der Migration, der Diversität, des Ungesteuerten und des Experiments. Er ist immer in Bewegung und niemals fertig. Und er ist ein klares Gegenbild zu einer Konsumgesellschaft und einer Mensch und Natur ausbeutenden Ökonomie. „Sind wir in unserem planetarischen Garten bereit, alles als flüchtig und wandelbar anzusehen?, fragt Clément, „Kann unser Haus ein Auto werden, unser Auto ein Computer und dieser ein Garten? (Clément 2015, S. 46)
Becoming Garden
In Palermo versuchen Coloco und Gilles Clément mit dem Projekt Becoming Garden (2018) im Neubauviertel ZEN, ein Zeichen gegen die Verelendung des Viertels zu setzen: Auf einer Brache wird ein Garten angelegt und die Anwohnerinnen und Anwohner werden inspiriert, selbst tätig zu werden.
Ob das Projekt Erfolg hat und die Lebensbedingungen im Viertel tatsächlich verbessert, muss sich im Laufe der Zeit zeigen worauf der Titel der Arbeit hindeutet. Dieses Gartenprojekt bringt schon jetzt das Kunstpublikum in ein Viertel, das es sonst eher meiden würde. So entsteht gemeinsam genutzter öffentlicher Raum.
Ausstellungsorte
Die Ausstellungsorte der Manifesta waren in Palermo über die Stadt verteilt. Viele Arbeiten waren in historischen Palazzi zu sehen sowie im botanischen Garten der Stadt, der 1795 unter der Leitung der königlichen Universität eröffnet wurde. Heute sind dort auf 10 Hektar rund 12000 verschiedene Pflanzenarten zu finden. Während der Manifesta installierten Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeiten im Botanischen Garten und griffen hier die Ideen der Ausstellung auf.
Einige der im Folgenden vorgestellten Arbeiten waren im Palazzo Butera zu sehen. Der 1692 erbaute Palazzo brannte 1759 fast völlig aus und wurde im Anschluss neu gestaltet, mit Fresken, Schnitzereien und einer maurischen Halle. Vor wenigen Jahren kaufte das Sammlerpaar Francesca und Massimo Valsecchi das Gebäude und nimmt jetzt aufwändige Renovierungen vor, um in Zukunft seine Kunstsammlung dort zu präsentieren.
In diesem Materialteil werden Arbeiten der Manifesta vorgestellt, die Beziehungen zwischen Menschen,...

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