2. – 13. Schuljahr

Corinne Roy | Julia Escher | Saskia Stülpnagel | Mara Lang | Beatrice Cron

Ausgangspunkt Färbergarten

Projekte zur Herstellung von Pflanzenfarben

Die Herstellung von Pflanzenfarben birgt vielfältige didaktische Potenziale. Auch in Schulen können zur Farbgewinnung Beete für besonders geeignete Pflanzen angelegt werden. Aus Blüten und Blättern vom Straßenrand oder Gemüseschalen aus der Küche lassen sich ebenfalls Farben herstellen.

Der Färbergarten der Alanus Hochschule dient als Farb-Reservoir für Workshops der Studierenden, als „Mustergarten und auch für Schulprojekte im Rahmen studentischer Forschungsarbeiten (Abb.1 ) (s. Kasten 1).
1|Der Färbergarten der Alanus Hochschule
1|Der Färbergarten der Alanus Hochschule
Sieben Beete, je 1 x 1m groß, wurden ca. 20 cm tief ausgehoben und mit Baubohlen eingefasst. Die Füllung besteht aus Grünschnitt, umgedrehter Grasnarbe und einem Kubikmeter Mutterboden-Kompost-Gemisch, das in dieser Reihenfolge von unten nach oben geschichtet wurde. Seither wird das Beet mit Komposterde jährlich etwas nachgefüllt, was die Bodenfruchtbarkeit erhält.
Die Pflege beschränkt sich auf etwa eine Stunde pro Monat, wenn Vertrocknetes abgeschnitten werden muss, Unkraut gejätet oder Frühlingszwiebeln gesteckt werden.
Jedes der Beete ist hauptsächlich einer Farbe gewidmet, die aus den Pflanzen besonders gut gewonnen werden kann. Sehr „lebendige Tinten aus Malven, Rosen, Rotkohl können dann noch mit Zitronensaft (sauer) oder Küchen-Natron (basisch) in Pink oder Blau-Grün-Töne verwandelt werden. So entsteht aus wenigen Pflanzen eine in sich immer harmonische Farbpalette.
Didaktische Überlegungen
Das Herstellen von Pflanzenfarbe führt erst einmal in den Kontakt zu den Pflanzen: Diese müssen gefunden, ausgewählt, sorgfältig gepflückt, sortiert und dann verarbeitet werden. Dabei differenziert sich der Blick auf das zur Verfügung stehende Stück Natur. Bisher unbedeutendes „Straßenbegleitgrün wird so zum wertvollen Reservoir von Beeren oder Blüten. Welche Pflanzen besser oder weniger gut geeignet für die Farbherstellung sind, darf hier selbst ausprobiert werden, ruft die eigene Forscherkompetenz auf. Den Lernbegleitern obliegt es allerdings, die Forscher auf besonders ergiebiges Pflanzenmaterial hinzuweisen, damit in der begrenzten Zeit ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt wird.
Sinneserfahrung
Der Kontakt mit dem Pflanzenmaterial ruft alle Sinne wach: Es duftet, riecht streng, fühlt sich pelzig an, piekst oder ist glitschig. Jede Erfahrung kann bewusst ausgekostet und mitgeteilt werden, sodass hier nicht nur die Augen angesprochen werden, sondern mindestens auch die haptische und olfaktorische Wahrnehmung (Abb. 2 ).
Selbstwirksamkeit
Farbe, die sonst nur fertig verpackt im Laden gekauft wurde, selbstständig aus natürlich zur Verfügung stehenden Pflanzen herzustellen, führt zum Erleben von Selbstwirksamkeit und Selbstständigkeit.Die eigene Autonomie kann den industriellen und größtenteils undurchschaubaren Abläufen gegenübergestellt werden.
Der gesamte Prozess vom Pflücken der Pflanzen bis zum fertigen Werk wird durchlaufen, ist durchschau- und erlebbar. Durch die unterschiedlichen Arbeitsschritte werden alle Schülerinnen und Schüler mit einbezogen, jeder und jede kann individuelle Stärken einbringen und eigene Schwächen kennenlernen. Die einen gehen z. B. ganz in der Aufgabe des Mörserns und Experimentierens auf, während die anderen das künstlerische Gestalten bevorzugen beides ist wichtig für den Gesamtprozess.
Ästhetisches Erleben
Das ästhetische Erleben der Farbqualität von Pflanzenfarbe kann besonders mit älteren Schülerinnen und Schülern thematisiert werden. Im farbigen Pflanzensaft wirken verschiedene Farbstoffe zusammen, sodass im verdünnten Auftrag andere Qualitäten sichtbar werden als im konzentrierten. Auch wirkt der Farbton insgesamt oft weicher, erdiger und abgedämpfter als bei monochromer industrieller Farbe. Der optische Sinneseindruck kann für die...

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