4. – 10. Schuljahr

Christiane Küstner

Lernort Garten

Erkundungen, Fragestellungen, Gestaltungsideen

Ein Garten ist sowohl ein Ort natürlicher Lebensprozesse als auch ein kulturell geprägter Raum eine Schnittstelle zwischen Natur und Kultur. Hier lassen sich fachbezogene Kompetenzen wie Wahrnehmen, Empfinden, Erkennen, Gestalten und Reflektieren auf besondere Art fördern.

Dieses Unterrichtsbeispiel wurde in einer 5. Klasse des Neuen Städtischen Gymnasiums in Halle (Saale) durchgeführt. Bei der Entwicklung des Unterrichts war ein wichtiger Aspekt, dass „Garten als gestaltbare Struktur und als ästhetische Ausdrucksform verstanden wird. Pflanzen und andere Elemente (s. MATERIAL-Seiten „Gestaltungselemente im Einführungsbeitrag) machen in ihrer spezifischen Anordnung das Gesamtbild eines Gartens aus.
Diesem Grundgedanken folgend, wird zunächst der Botanische Garten Halle (Saale) als Lernort von den Schülerinnen und Schülern erkundet (s. Kasten 1). In Folge gestalten sie ausgehend von ihren konkreten Untersuchungen eine Pflanze, die wiederum zum Ausgangspunkt eines gemeinschaftlichen Gartenentwurfs wird. Sämtliche Skizzen, Ideen, Untersuchungen usw. werden während der gesamten Zeit in einem Leporello gesammelt.
Die Lernziele dieses Unterrichtsbeispiels beziehen sich vor allem auf
  • die Erweiterung sinnlicher Wahrnehmungsfähigkeiten von Farben, Düften und Formen im Garten selbst,
  • die Erkenntnis, was ein Garten ist, dass es verschiedene Ordnungsprinzipien gibt, dass er gestaltbar und Ausdruck ästhetischer Vorstellungen ist,
  • das Anfertigen von Zeichnungen und Forschungsskizzen, die den gedanklichen Prozess begleiten und in einem Skizzenbuch bzw. Leporello dokumentiert werden,
  • das Erlernen einer Vervielfältigungstechnik,
  • die Anwendung des Erlernten in Bezug auf die gemeinschaftliche Gestaltung eines Gartenkonzepts also den bildnerischen Transfer.
    1|Der Botanische Garten Halle (Saale)
    1|Der Botanische Garten Halle (Saale)
    Der Botanische Garten der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg besteht seit über 300 Jahren. Er war der erste seiner Art im damaligen Preußen.
    Heute beherbergt das fünf Hektar große Gelände rund 12000 Pflanzenarten, von denen etwa 6000 in den Gewächshäusern wachsen. Die thematisch gegliederte Freilandpflanzensammlung, der Garten mit den alpinen Pflanzen sowie die Wald- und Steppengebiete repräsentieren einen Querschnitt der Pflanzengeographie weltweit. (https://gartentraeume-sachsen-anhalt.de/de/gartentraeume-parks/botanischer-garten-halle.html)
Im Botanischen Garten
In der ersten Phase machen sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Ort, seinen Farben, Geräuschen, Gerüchen, Tieren, Pflanzen sowie den spezifischen Merkmalen des Gartens vertraut.
Zur Einstimmung suchen sie sich einen Platz, an dem sie zehn Minuten verharren und sämtliche Geräusche, die sie wahrnehmen, aufzeichnen. Der Enge des Schulhauses entflohen, wirkt der Botanische Garten befreiend und beruhigend (Abb. 1 ). Die Schülerinnen und Schüler sitzen auf Wiesen und Wegen und kritzeln, halb kontrolliert, halb unkontrolliert, sämtliche Geräusche in Form von Punkten, Linien und Flächen auf das Papier (Abb. 2 ). Durch die Wahl der Formen und Intensität der Bearbeitung verleihen sie ihrer emotionalen Situation Ausdruck.
Gestaltungsmerkmale eines Gartens
In einer zweiten Phase erkunden die Lernenden das gesamte Gelände des Botanischen Gartens, um seine Ordnungen und Gestaltungsmerkmale kennenzulernen.
An einem zentralen Ort wird die Basis-station eingerichtet. Hier gibt es verschiedene Karten mit Gartenerkundungsaufgaben (Abb. 3 ) (s. Kasten 2). Möglich wäre an dieser Stelle auch, dass die Schüler eigene Aufgaben formulieren, die zur Erkundung des Gartens und seiner Gestaltungsprinzipien beitragen.
2|Gartenerkundungsaufgaben
Nimm dir ein dünnes Blatt Papier und erstelle eine Sammlung verschiedenster Oberflächen. Nutze die Frottagetechnik. Laufe durch den Garten und erstelle eine Materialsammlung mit unterschiedlichen...

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