10. – 13. Schuljahr

Raphael Spielmann

Die Bürger von Calais

Werkanalyse mit 3D-Ansichten und Augmented Reality

In einer 10. Klasse wurden Möglichkeiten der Werkbetrachtung und -analyse mittels Augmented Reality erkundet. Der Einsatz von Tablets war dabei in einen rezeptionsorientierten Unterricht zur kunstgeschichtlichen Theorie von Denkmälern eingebunden.

Apps mit 3D-Ansichten (s. Kasten 1) haben gegenüber zweidimensionalen Abbildungen von Plastiken und Skulpturen am Beamer oder in Büchern verschiedene Vorzüge:
3D-Ansichten herunterladen und bearbeiten: Welche App eignet sich?
3D-Ansichten herunterladen und bearbeiten: Welche App eignet sich?
Für den Unterricht wurden verschiedene Apps getestet, die es zulassen, 3D-Ansichten in Augmented-Reality-Umgebung darzustellen.
Ausgewählt wurde die App AR Studio (Hersteller: Aryzon). Die App ist kostenlos und bietet die Möglichkeit, 3D-Inhalte der beiden großen 3D-Online-Plattformen Sketchfab.com und Poly.google.com anzuzeigen. Sofern die Urheberin bzw. der Urheber der 3D-Ansicht es erlaubt, ist auch ein Download auf das Tablet bzw. Smartphone möglich.
Für den Unterricht wurde mit AR Studio die 3D-Ansicht des Werks Die Bürger von Calais (1884– 1895, Bronze) von Auguste Rodin (1840 – 1917) im Vorfeld heruntergeladen, um offline mit ihr arbeiten zu können. Gerade an Orten wie dem Pausenhof, wo das WLAN-Signal der Schule nicht hinreicht, ist eine Offline-Verwendung notwendig.
Auf diesem Weg können auch selbst erstellte 3D-Ansichten verwendet werden, indem sie auf Sketchfab.com geladen und dann in der App AR Studio angezeigt oder heruntergeladen werden.
Auch in der App Sketchfab, die zum gleichnamigen Online-Portal gehört,ist es möglich, auf selbst erstellte 3D-Inhalte zurückzugreifen (Spielmann 2018). Eine Download-Möglichkeit wie bei AR Studio existiert jedoch nicht.
  • Sie lassen sich am Bildschirm mit der Streichbewegung eines Fingers etwa auf dem Touchscreen oder dem Touchpad eines Laptops drehen und somit von verschiedenen Seiten betrachten. So werden Perspektiven möglich, die nicht einmal ein Besuch vor Ort erlauben würde. Im Extremfall können Ansichten senkrecht von oben (als Top Shot) oder von ganz unten gezeigt werden.
  • Details lassen sich genauer betrachten, denn mit dem „Pinzettengriff zweier Finger auf dem berührungssensitiven Display kann die 3D-Ansicht vergrößert bzw. verkleinert werden.
  • Im browserbasierten Online-Portal Sketchfab.com wie auch in der gleichnamigen App lassen sich 3D-Ansichten mit der Streichbewegung zweier Finger verschieben. Diese Verschiebefunktion ist für die Navigation von 3D-Ansichten sehr hilfreich.
  • Einmal platziert, kann man seinen eigenen Standpunkt zur Skulptur bzw. zur Plastik verändern, indem man um das Werk herumschreitet und unterschiedliche Perspektiven einnimmt.Sobald die 3D-Ansicht im AR-Modus „platziert ist („Tap to lock to place) (Abb. 1 ), ändert sich die Art der Navigation: Die eingangs genannte Verschiebefunktion entfällt. Auch die Drehung der 3D-Ansicht ist eingeschränkt. Die Plastik steht nun auf dem Untergrund und scheint an diesem „festzukleben. Möchte man im AR-Modus ein entlegenes Detail der Plastik betrachten, ist es nun erforderlich, den eigenen Standpunkt zu verlassen und aktiv mit dem Tablet um die virtuell eingeblendete Plastik herumzugehen.
Erkundung der Augmented Reality-App
Die Schülerinnen und Schüler waren sehr motiviert, sich mit der App näher zu befassen. Der Überraschungseffekt und Aufforderungscharakter der 3D-Ansichten in Verbindung mit Augmented Reality war so hoch, dass viele Schülerinnen und Schüler zu einem spielerisch-kreativen Umgang fanden. So wurden 3D-Ansichten des Werks Die Bürger von Calais (Auguste Rodin, 1884/1886, Bronze) auf dem Schulhof platziert (Abb. 2 ). Einige Zweiergruppen stellten die Plastik auf den Kopf oder auf die Hand einer Mitschülerin bzw. eines Mitschülers oder ließen die Plastik mit anderen „interagieren. Auf diese Weise näherten sich die Lernenden...

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