Friederike Rückert

Zeit zum Sehen

Bildrezeption und -produktion im digitalen Raum-Zeit-Kontext

Die Diskussionen, die zum Thema „Digitale Bildung geführt werden, sind nicht neu. Immer wenn in der Kunst „neue Medien (Fotografie, Film, Video) entdeckt wurden, hat auch die Kunstpädagogik Chancen und Risiken abgewogen. Doch welches sind die aktuellen Herausforderungen bei der Nutzung von digitalen Medien und wie geht man damit um?

Schon zu Zeiten der Erfindung der Kinematografie wurde die Frage gestellt, wie man Kinder „vor den schädlichen Einflüssen der Theater lebender Photographien (Terveen 1959, S. 18) schützen könne.
Alfred Erhard betonte 1932 in seiner Gestaltungslehre, dass technologische Veränderungen zwar Erwachsenen neu und zukunftsgeladen erscheinen mögen, dass Kinder und junge Menschen jedoch Neuheiten als aktuell, selbstverständlich und als reale Gegenwart ansähen und sie ein Recht auf Ausbildung in diesem Sinne hätten (vgl. Ehrhardt 1932, S. 15).
Zu Zeiten der Visuellen Kommunikation prognostizierte Dieter Baacke, welche Veränderungen sich ergeben würden, wenn Medien in die Hand von Lernenden gelangten und diese dadurch von Konsumenten zu Produzierenden würden. Er sah die Chance, dass sich über das Massenmedium, „das Sprache, Ton, Bild und Farbe trennen und verbinden kann [], bisher unbezogene Ausbildungswege das Philologische, das Naturwissenschaftlich-Mathematische, das Soziale, das Ästhetische begegnen [können]. (Baacke 1970, S. 25f.).
Kunstpädagogische Dimensionen der Medienkompetenz
Bereits 1998 definierten Johannes Kirschenmann und Georg Peez im Sammelband Chancen und Grenzen der Neuen Medien im Kunstunterricht angesichts der zunehmenden Diskussion über Medienkompetenz als Schlüsselqualifikation sieben spezifisch kunstpädagogische Dimensionen der Medienkompetenz: Wahrnehmungskompetenz, selektive Kompetenz, evaluative Kompetenz, soziale Kompetenz, instrumentelle Kompetenz, kreative Kompetenz und didaktische Kompetenz (vgl. Kirschenmann/Peez 1998, S. 8).
Für die Kunstpädagogik haben aktuell u. a. Ahmet Camuka und Georg Peez Chancen und Risiken der Digitalisierung beschrieben (Camuka/Peez 2017). Außerdem sind zahlreiche Praxisberichte zum Einsatz digitaler Endgeräte und weitere Beiträge in den einschlägigen Fachzeitschriften erschienen (u.a. K+U 415/416//2017). Die hier exemplarisch genannten Positionen ließen sich selbstverständlich weiter ergänzen (vgl. Rückert 2019).
Was ist in der aktuell geführten Diskussion um die „Digitale Bildung neu und welche Veränderungen ergeben sich dadurch für den Kunstunterricht?
Neue Herausforderungen
Im Unterschied zu vergangenen Diskussionen ist die Technologie im Zuge der Digitalen Bildung nun wirklich in den Schulen angekommen (Abb. 1 ). Mussten sich beispielsweise in den 1970er- und 1980er-Jahren mehrere medienpädagogisch versierte Lehrkräfte Super-8-Kameras oder Videokamera und Abspielgeräte teilen, so gibt es inzwischen viele Schulen, in denen komplette Tablet-Sätze gesamten Klassen oder einzelnen Kunstlehrkräften zugewiesen sind.
Toolification
Diese Toolification umfasst zudem einige weitere Aufgaben: WLAN muss zur Verfügung gestellt, Tablets und andere Geräte müssen angeschafft werden. Es müssen Detailprobleme gelöst (z.B. Anschaffung von zu den Geräten passenden Stiften), die Installation der Apps abgeschlossen und Verantwortlichkeiten administrativer und juristischer Art geklärt werden.
Pädagogische Fragestellungen
Daran schließen sich pädagogische Fragestellungen wie die nach der konkreten Umsetzung der KMK-Strategie „Bildung in der digitalen Welt für den Fachunterricht an. Wenn beim Lernen „weniger das reproduktive als das prozess- und ergebnisorientierte kreative und kritische Lernen in den Fokus (KMK 2016, S.8) rücken soll: Was bedeutet das konkret und welchen Mehrwert bringen dafür die digitalen Geräte?
Erhöht sich die Unterrichtsqualität durch selbstorganisiertes, kooperatives und...

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