11. – 13. Schuljahr

Anja Schönau

Eat-Art-Objekte aus Filz

Ein Projekt mit mehrperspektivischem textildidaktischem Ansatz

In diesem Projekt von Studierenden werden nach haptischen und olfaktorischen Erkundungen des textilen Materials Schafwolle eigenständige Filz-Werkstücke entwickelt.

Das Projekt basiert auf einem textildidaktischen Vermittlungskonzept mit dem Ziel, das naturbezogene Material Schafwolle ästhetisch zu erforschen und die über Jahrhunderte hinweg tradierte Technik des Filzens zu vermitteln (s. Kasten 1).
1|Begründung und Ziele des Projekts
1|Begründung und Ziele des Projekts
Mehrdimensionaler textildidaktischer Ansatz:
  • ästhetisch-forschender Umgang mit dem textilen Material Schafwolle,
  • Vernetzung material-, technik-, kultur- und didaktikbezogener Zugänge,
  • Schafwolle als ästhetisches, kulturelles, didaktisches Erfahrungsfeld,
  • Hand als „geistiges Organ (vgl. Gadamer 1979, S. 19),
  • über den Umgang mit dem Material und den technischen Verfahrensprozess zum individuellen textilen und künstlerischen Ausdruck sowie zu subjektiven, didak-tischen Fragehaltungen finden,
  • dem textilen Material flächen- und formgestaltend nachspüren,
  • Trocken- und Nassfilzen als textile Verfahrensweisen erproben,
  • ausgehend von Materialerforschung und elementaren Formen über Verschränkungen und Ausdifferenzierung von Formelementen und Verfahrensweisen zu einem komplexen, plastischen, textilen Objekt (Fokus: Eat Art) kommen.
Doch wie kann man angesichts auf dem Markt verbreiteter innovativer textiler Werkstoffe und Techniken solch traditionelle Materialien und Verfahrensweisen als aktuelles, ästhetisches und didaktisches Erfahrungsfeld begründen? Wie lässt sich ein ästhetisch-forschender Umgang im Rahmen einer zeitgemäßen, am textildidaktischen Diskurs orientierten, universitären Lehrer- und Lehrerinnenausbildung als exemplarisches, mehrperspektivisch sinnstiftendes Erfahrungsfeld legitimieren?
Vom technischen Verfahren zum individuellen Ausdruck finden
Zunächst wird die Aufmerksamkeit der Studierenden gegenstands- und problembezogen auf das textile Material Schafwolle gelenkt. Sie werden mit unterschiedlichen Materialqualitäten und Werkzeugen konfrontiert, die sie zum visuellen, taktilen und olfaktorischen ästhetischen Wahrnehmen und Erforschen anregen:
  • Konzentriert erfühlen sie die verschiedenartigen Materialqualitäten und halten die Wolle teils dicht an ihre Augen, um die Textur und Struktur zu analysieren oder daran zu riechen.
  • Sie verbalisieren wahrgenommene Eigenschaften und Unterschiede genau und stellen Rückfragen zu natürlichen sowie synthetisch-hochtechnisierten Qualitäten und Verarbeitungsweisen.
  • Handlungsorientiert erproben sie dann das Spinnen eines gleichmäßigen Fadens mithilfe einer selbst gefertigten, einfachen Handspindel (Abb. 1 ). Dies erweist sich für manche Studierende als motorisch herausfordernd und lässt die Handarbeit in Abgrenzung zur hochtechnisierten Massenfertigung erfahrbar werden.
Der didaktische Zugang zeigt sich subjektiv sowie sachorientiert, verbindet bekannte und neue ästhetische Erfahrungen, rationale Sachkenntnisse und didaktisch-methodische Fragehaltungen der Studierenden. Vor allem wird die eigene Hand für die Studierenden zum „geistige[n] Organ (Gadamer 1979), die differenzierte, taktile ästhetische Primärerfahrungen unterstützt, Gestaltungs- und Erkenntniswille befördert und es werden Fragen anregt:
  • Welche Materialqualitäten erscheinen besonders geeignet bzw. ungeeignet für welche textilen Ausdrucksformen?
  • Wie ist es möglich, ein textiles Material in eine flächen- und formenbildende Gestalt zu transformieren?
  • Wird es mir gelingen, meine kognitiven Imaginationen, Bilder, Skizzen und Modelle in textile Objektivationen sowie Entfremdungen zu übersetzen?
  • Welche Hilfsmittel, Verfahren und praktischen Fertigkeiten sind vonnöten?
  • Von welchen ästhetischen Erfahrungspotenzialen, Herausforderungen und Werturteilen ist der Prozess begleitet?
Trockenfilzen/Nadelfilzen
Im...

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