11. – 13. Schuljahr

Christa Pieth

Geisternetze

Von der Umweltgeste zum animierten Kultobjekt

Der Beitrag zeigt, wie Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe, inspiriert von „Ghostnet-Skulpturen australischer Künstler, zu einer umweltpolitisch motivierten Geste kommen.

Eine Ausstellung über die Kunst der Aborigines in Genf, bei der auch „Ghostnet-Skulpturen präsentiert wurden, bildete den Ausgangspunkt für eine gestalterische Auseinandersetzung mit dem Thema Nachhaltigkeit.
Ghostnet-Skulpturen
In der Ausstellung fielen speziell die Ghostnet-Skulpturen auf: textile Gebilde, meist Meerestiere darstellend, die von Künstlern der Torrès Strait-Inseln und aus Pormpuraaw (Queensland) aus Teilen angeschwemmter Fischernetze („Ghostnets genannt) geschaffen werden.
Diese „Geisternetze sind im Meer treibende, weggeworfene Schleppnetze, die in der industriellen Fischerei verwendet werden und wie der Plastikabfall das ozeanische Ökosystem schädigen (Abb.1 ).
Eine Geste für die Umwelt
Tiermotive sollen das Publikum für die Gefahren des Plastikmülls im Meer sensibilisieren. Diese Kreaturen stellen außerdem für die Eingeborenen Kultobjekte oder Totems dar, die für sie identitätsstiftend sind. Ein Totem wird als „zauberkräftiger Helfer verehrt und darf weder getötet noch verletzt werden (vgl. Duden).
Die Verschmutzung des Pazifiks bedroht nicht nur die materielle Existenz der Ureinwohner, sondern auch die mythischen und spirituellen Grundlagen ihrer Kultur (Steward-Kroeker 2017).
Kunst wird für diese Eingeborenengemeinschaften zum politischen Werkzeug im Kampf gegen die Klimakatastrophe und die globale Verschmutzung der Meere. Die Werke stellen auch eine Kritik an unserem oft nachlässigen Lebenswandel dar. Es handelt sich zwar nur um einen spezifischen Fall der Umweltverschmutzung der aber ist ein Teil eines weiten Spektrums von negativen menschlichen Eingriffen in die Natur.
Praktische Gestaltungsarbeit
Bei einem museumspädagogischen Work-shop wurde in kollektiver Arbeit unter Anleitung zweier australischer Künstler ein Barrakuda aus Ghostnets angefertigt. Dieser Workshop diente als Einführung in verschiedene textile Techniken.
Danach konnten die Schülerinnen und Schüler in der Klasse mit textilen Techniken wie Weben, Flechten, Umwickeln, Drehen, Knüpfen, Nähen usw. arbeiten.
Motivwahl
Praktisches Anknüpfen an die Ausstellung im Völkerkundemuseum heißt nicht, die dort ausgestellten Objekte nachzubilden.
Der Umsetzungsprozess wurde so angelegt, dass sich die Lernenden mit den Lebensbedingungen, den kulturellen Codes und der Umweltproblematik der eingeborenen Künstler befassen und überlegen, wie man trotz der Unterschiede zu den eigenen Lebensbedingungen z.B. Klima, Geografie und Kultur den Bezug zur Umweltproblematik und zum textilen Kultobjekt beibehalten kann.
So wurde entschieden, für die Textilplastiken die Tiermotivik beizubehalten und sich auf bei uns in unterschiedlichem Maße gefährdete Tierarten zu konzentrieren. Gewählt wurden Tiere, die in unserem Lebensraum aus verschiedenen Gründen bedroht sind (Biene, Adler, Wolf usw.) sowie exotische Tierarten, die Opfer des illegalen Tierhandels sind oder wegen des Elfenbeins, Leders oder des Pelzes gejagt werden.
Materialwahl
Aus praktischen Gründen wurde textiles Material aus dem Bekleidungs- und Haushaltbereich verwendet: Hier findet man auch netzähnliche Gebilde und kann zudem mit kostensparendem Recyclingmaterial (Altkleider) arbeiten.
Gesammelt wurden T-Shirts, Damenstrumpfhosen, Woll- und Stoffreste. Von den Textilien aus dem Haushaltsbereich boten sich durchsichtige Gardinen, Putzlappen, Küchen- und Badetücher an.
Arbeitsablauf
Zunächst wurde ein Grundgerüst mit Draht und einem Geflecht aus Maschendraht konstruiert, was sehr zeitaufwändig war (Abb. 2 ).
Danach wurde überlegt, welche textilen Techniken, Materialien und Farben am besten zu den jeweiligen Tierarten passen. Da in den meisten Fällen ein Drahtgeflecht als Untergrund...

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