6. – 10. Schuljahr

Christiane Schmidt-Maiwald

„Kombi-Schnitt

Schnittmustergestaltung für ein Mischwesen

In diesem Kooperationsprojekt arbeiten Schülerinnen und Schüler einer Förderschule, eines Praxis-Seminars am Gymnasium und Studierende einer Universität eine Woche lang mit dem Material Textil. In der hier dargestellten Projekteinheit entstehen Schnittmuster aus den umzeichneten Körperteilen der Jugendlichen. Zusammengenäht, mit Watte gefüllt und individuell gestaltet, werden diese zu ganz eigenen Mischwesen kombiniert.

Die textile Berührung ist pädagogische Leitfigur des Kooperationsprojekts „Begegnung mit dem Ziel einer gemeinsamen Ausstellung.
Die Projekteinheit „Kombi-Schnitt zeigt ein Verfahren des Plastizierens, das auf dem Prinzip „ Zuschneiden und Nähen von Stoff beruht. So entsteht eine Hülle, die ausgestopft mit Füllwatte zum räumlichen Objekt wird.
Einstieg: Textil im Spiel erfahren
Um eine spannungsreiche, raumgreifende Form zu erlangen, wird über ein Spiel zur eigentlichen Aufgabe geführt. Dabei werden mit dem eigenen Körper unterschiedliche Körperhaltungen und das raumgreifende Prinzip von Plastiken durch Abspreizen der Gliedmaßen und Finger erprobt. Die spielerische Einführungsübung zielt auch darauf ab, eventuelle Berührungsängste abzubauen.
Aus den drei Teilnehmergruppen des Kooperationsprojektes finden sich je drei Vertreterinnen und Vertreter zusammen und erhalten ein Kleidungsstück (Anzug, Kleider, Pullover in XL-Größe). Zu zweit oder zu dritt mit einem ernannten „Bildhauer aus der Gruppe sollen sie mit dem Kleidungsstück ihre Körper zu einer Standplastik verbinden.
Es gilt, auf eine raumgreifende und spannungsreiche Haltung, auf Dynamik und auf den Faltenwurf des Textils zu achten. Diese Kriterien, die grundlegend für den Ausdruck einer Plastik oder Skulptur sind, können auch in einer vorgelagerten Unterrichtseinheit über Bildbeispiele von Statuen aus der Kunstgeschichte erarbeitet werden.
Die mit Körper und Textil geformten Standbilder werden fotografiert und anhand einer Beamerprojektion gemeinsam besprochen.
„Von jedem etwas: plastizierte Mischwesen
Der Arbeitstitel des Projektes und der späteren Ausstellung: „Begegnung gibt den thematischen Inhalt für die Einheit vor. Die Aspekte „raumgreifend und „spannungsreich sind grundlegend, um zu einem ausdrucksstarken körperlichen Gebilde zu gelangen. Die technische Aufgabenstellung ist das Montieren von Flächen über eine einfache Variante von Schnitt und Naht.
Entstehen sollen plastische Objekte aus Stoff Mischwesen, inspiriert von den individuellen Abformungen einzelner Körperteile der Jugendlichen, die sich in einer Gruppe begegnen.
Die Schülerinnen und Schüler lernen im Prozess nachzuvollziehen, wie das Verfahren des Zuschnitts über das Nähen zu einer dreidimensionalen Form führt (vgl. Gohl-Völker 2017, S. 288ff.).
Vorgehensweise
Zunächst gilt es, einzelne Körperteile mit Rückgriff auf die im Einführungsspiel angeeigneten Ausdruckskriterien: Dynamik, Spannung, Abwechslung von runden und kantigen Elementen so in Bewegung zu bringen, dass sie eine allansichtige, spannungsreiche Form ergeben.
Die abgewinkelten Arme oder gespreizten Finger werden auf einen doppelt gefalteten schwarzen Baumwollstoff (s. Kasten) gelegt und mit Schneiderkreide umfahren. Die Jugendlichen müssen sich hier gegenseitig assistieren. Ziel ist es, aus verschiedenen, zum Teil sich überkreuzenden, Körperteilen das spätere Objekt zu entwickeln. Um die Konturen wird zudem ein zwei Zentimeter breiter Rand gestrichelt für die Nahtzugabe (Abb. 1 ).
Die doppelt gelegten Teile werden an der gesamten Außenkontur entlang ausgeschnitten. Binnendurchbrüche werden ebenfalls ausgeschnitten. In Gemeinschaftsarbeit werden die Teile mit einem einfachen Stepp- oder Schlingstich zusammengenäht (Abb. 2 ).
Hinweise zum Material
Hinweise zum Material
  • Dicht gewebter Stoff in einfacher Leinwandbindung lässt sich gut schneiden.
  • Statt Schneiderkreide kann...

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