4. – 6. Schuljahr

Sarah Fröhlich

Kuriose Heilinstrumente

Fundstücke mit textilen Materialien kombinieren

Ausgehend von Objekten aus barocken Wunderkammern und Kuriositätenkabinetten des 16. Jahrhunderts, gestalten Schülerinnen und Schüler einer fünften Klasse imaginative „Heilinstrumente gegen die größeren und kleineren Leiden der Menschheit. Dabei verbinden sie organische Fundstücke mit textilen Materialien.

Kuriositätenkabinette (s. Kasten) eröffnen eine breite Palette möglicher Gestaltungsaufgaben: So kann der Schwerpunkt wie in diesem Beitrag auf der Herstellung plastischer Artefakte zu einem ausgewählten Bereich der Kammern liegen, wobei verschiedene Materialien genutzt und erprobt werden. Möglich wäre allerdings auch, das Sammeln und Arrangieren von Objekten zu thematisieren und mehrteilige Schaukästen anfertigen zu lassen.
Wunderkammern und Kuriositätenkabinette
Wunderkammern und Kuriositätenkabinette
Sammeln ist eine Tätigkeit, die den Menschen seit Anbeginn unserer Geschichte begleitet.
Das Sammeln von Naturalien und Objekten aus verschiedenen kulturellen Zusammenhängen sowie die sich anschließende thematische Ordnung und Präsentation der Objekte in Schaukästen fand im ausgehenden 15. Jahrhundert eine neuartige Ausprägung in Form sogenannter Wunder-, Kuriositäten- oder Raritätenkammern.
Diese können als Vor- oder Frühformen der öffentlichen Museumstätigkeit gesehen werden.
Durch die Ausdehnung der europäischen Handelstätigkeit im 17. und 18. Jahrhundert gelangten immer mehr exotisch anmutende Gegenstände in die Hände wohlhabender Fürsten und gebildeter Bürger, die diese Sammlungen zu Repräsentations- und Bildungszwecken anlegten.
Ziel dieser Sammlungen war die Nachgestaltung des Universums, das als ein zusammenhängender Organismus präsentiert und en miniature begreifbar gemacht werden sollte.
Die Vielfalt der göttlichen Schöpfung wurde modellhaft in das eigene Studierzimmer gebracht, um dort in der Zusammenschau entschlüsselt zu werden (vgl. Müller-Bahlke 2012, S. 9f.).
Thematisch waren diesen Sammlungen keine Grenzen gesetzt. Daher finden sich dort auch medizinisch-okkulte Gegenstände diverser Kulturen, mit denen die Europäer aufgrund von Handels- und Wirtschaftsinteressen Beziehungen eingegangen waren (vgl. Mauriès 2011, S. 51f.).
Auch hinsichtlich des Einstiegs in die Unterrichtseinheit lassen sich verschiedene Alternativen aufzeigen und auf die Lerngruppe abgestimmt entwickeln.
Einstiegsmöglichkeiten an Lerngruppe anpassen
Zeigt sich in der Lerngruppe, wie im vorliegenden Fall, dass Interessensbereiche und Spielverhalten des Grundschulalters noch präsent sind, so kann der Einstieg über einen narrativen Rahmen motivierend gelingen.
Dazu erstellt die Lehrkraft ein eigenes Objekt aus den gewünschten Materialien und präsentiert es den Schülerinnen und Schülern mit dem Hinweis, das Objekt auf einem Dachboden gefunden zu haben und selbst nicht zu wissen, was es sein könnte.
Die Lernenden setzen sich daraufhin unvoreingenommen mit dem Objekt auseinander und können eigene Vermutungen äußern.
Anschließend erzählt die Lehrkraft, dass sie neben dem Objekt auch einen alten Brief gefunden habe, in dem steht, um was es sich bei diesem Objekt handelt. Die Schülerinnen und Schüler hören sodann die fiktive Geschichte einer Heilerin und eines Grafen, der die Heilinstrumente der Heilerin gesammelt hat. Das mitgebrachte Objekt wird als eines dieser Heilinstrumente vorgestellt. Die Lernenden können dem Brief außerdem entnehmen, dass die Sammlung des Grafen im Krieg zerstört wurde und viele Teile fehlen.
Hilfen zur Vorstellungsbildung
Bei leistungsschwächeren Lerngruppen bietet es sich an, in einem Zwischenschritt Abbildungen diverser textil gestalteter Fundstücke zu betrachten: Dies können Fotos von Schülerarbeiten aus vorherigen Jahrgängen sein oder Abbildungen sogenannter „Astwebereien, die im Internet unter dem Stichwort „twig weaving oder „branch weaving zu finden sind.
Diese...

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