10. – 13. Schuljahr

Anna Gönner | Julia Schmidt-Offhaus

Ma Sensibilité

Emotionale Expression in Nylon

Die Darstellung des menschlichen Gesichtes und die sich darin widerspiegelnden Emotionen ist ein wiederkehrendes Thema der Kunst. Diese Unterrichtseinheit stellt die Erarbeitung einer Kopfplastik mit textilen Materialien in den Mittelpunkt und fordert die Schülerinnen und Schüler dadurch inhaltlich wie technisch zu neuen Wagnissen heraus.

Das Thema „Selbstdarstellung und Verwandlung bietet ein großes Spektrum an künstlerischen Darstellungsmöglichkeiten. Ein möglicher Zugang kann hier die Arbeit mit Textilien sein.
Das vorliegende Unterrichtsbeispiel wurde mit Schülerinnen und Schülern eines vierstündigen Neigungskurses erarbeitet inspiriert von Arbeiten der niederländischen Künstlerin Rosa Verloop (s. Kasten).
Das Material
Nylon ist ein hochinteressantes Werkmaterial. Die Verfügbarkeit des Stoffes und die günstige Beschaffung prädestinieren ihn für die Nutzung im Kunstunterricht. Nicht nur gekaufte bzw. gebrauchte Strumpfhosen kommen in Frage; auch sogenannte Einmal-Füßlinge aus Schuhgeschäften werden teilweise kostenlos abgegeben.
Der Stoff bietet sich auch aufgrund seiner Farbgebung an, denn die verschiedenen Hauttöne können die späteren Werke „menschlich wirken lassen.
Das Spiel mit Transparenzen, farblicher Verdichtung und dem Durchscheinen des Füllmaterials spricht eine sehr feine, subtile künstlerische Sprache.
Zu beachten ist allerdings, dass die Füllung einen großen Einfluss auf die Verarbeitung hat. Wird zu harte Stopfwatte gewählt oder der Sand zu prall eingefüllt, dann gelingt es kaum, Stecknadeln einzustechen.
Die Erforschung der Mimik
„An manchen Tagen bin ich froh, an manchen traurig. Manchmal bin ich wütend, an anderen Tagen ängstlich. Ab und an glaube ich, dass ich vor Freude platzen könnte. Das alles bin ich. Doch nicht jeder kann es sehen. Meine Seele spiegelt sich in meinem Gesicht. Wer mich versteht, erkennt darin auch mich …“.
Zu Beginn der Einheit werden die Lernenden mit diesem Zitat der Lehrperson als stillem Impuls konfrontiert. Sie haben nun die Gelegenheit, sich spontan dazu zu äußern.
Im nächsten Schritt werden die Schülerinnen und Schüler mit Spiegeln bzw. Kameras ausgestattet. Die Aufgabe besteht nun darin, Emotionen durch Mimik auszudrücken. Dabei können die Beobachtungen der Jugendlichen dahingehend gelenkt werden, dass sie die verschiedenen Intensitäten von subtilen Gefühlsregungen bis hin zu vollkommen übertriebenen Grimassen erforschen und feststellen, welche Gesichtspartien für Veränderungen der Mimik zuständig sind.
Die Ergebnisse können in Zeichnungen oder Fotografien festgehalten werden.
Die Besprechung erfolgt abschließend im Plenum, da hier den Heranwachsenden klar gemacht werden kann, welche Gesichtspartie für die Darstellung welcher Gefühlsregungen zuständig ist und wie extrem bzw. subtil die mimische Bewegung sein kann, um einen bestimmten Effekt zu erzielen. Hier kann auch eine Verbindung zu den Tronien Rembrandts oder den Werken von Cindy Sherman hergestellt werden.
Aufgabenstellung und Materialerkundung
Nachdem die Schülerinnen und Schüler die mimischen Grundlagen erarbeitet haben, wird ihnen die eigentliche Aufgabe vorgestellt:
  • Erstellen Sie eine Büste, deren Gesicht durch seine Mimik eine Emotion übermittelt.
  • Die Plastik soll den menschlichen Proportionen weitgehend entsprechen, kann in einzelnen Partien aber auch abstrahierend davon abweichen.
  • Als Material sollen Nylon, Nadeln, Faden und Füllmaterial verwendet werden.
Um sich dem Werkmaterial zu nähern, werden die Lernenden angehalten, zunächst ohne konkretes Ziel mit dem Material zu experimentieren, z. B.:
  • Füllungen mit Watte und Sand zu erproben,
  • gefüllte Falten einzulegen,
  • Partien einzudrehen,
  • bloßes Feststecken einer Partie im Vergleich zum Sticken und Umwickeln zu erproben.
Im weiteren Verlauf soll dann versucht werden, eine Gesichtspartie, z.B. einen Mund oder ein Auge,...

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