4. – 7. Schuljahr

Barbara Kolb

Vom Vorhang zum Zelt

Beispiele musealer Vermittlungsarbeit

Der Beitrag erläutert die Inhalte einer Ausstellung zur Textilen Architektur sowie einige Aspekte der ausstellungsspezifischen Führung. Die Vermittlungsbeispiele können Lehrerinnen und Lehrer dazu anregen, ähnliche Spielformen und Methoden in den Unterricht zu übernehmen.

Zur Sonderausstellung Textile Architektur im Staatlichen Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim) wurde ein partizipatives Führungsangebot für Grundschulkinder entwickelt. Unter dem Motto „Materialerforschung vertieften die jungen Besucher ihre eigenen Vorkenntnisse und sensibilisierten ihren Blick für textile Raumkörper deren Eigenschaften.
Die Lebenswelt der Menschen ist wesentlich geprägt von Textilien. Unterschiedliche textile Konstruktionen erfüllen mannigfaltige Funktionen auch im Alltag von Kindern (vgl. Krüger 2009, S.7). Fragt man Schülerinnen und Schüler gezielt nach textiler Architektur, werden viele Beispiele genannt: Vorhang, Campingzelt, Sonnen- und Regenschirm oder Markise. Aber auch Pavillons und Festzelte sind den meisten Kindern und Jugendlichen vertraut. Schülerinnen und Schüler bringen also Vorkenntnisse mit und zeigen gegenüber der Thematik keinerlei Berührungsängste.
Textile Architektur im tim
Schon seit der frühen Menschheitsgeschichte bilden Textilien einen wichtigen Bestandteil unserer Architektur. Vom Nomadenzelt bis hin zur modernen Sportarena reicht das Spektrum textiler „Bauten. Heute entstehen zahlreiche innovative Konstruktionen, die sich durch einen neuen, experimentellen Umgang mit dem textilen Material auszeichnen (vgl. Krüger 2009, S. 6f.).
Im Jahr 2013 widmete das tim dieser Thematik eine eigene Sonderausstellung. Das Museum thematisierte historische Hintergründe textiler Bauformen und zukünftige Bauweisen mit Textil gleichermaßen. Die Ausstellung präsentierte die Bandbreite textiler Architektur: von realisierten Projekten international renommierter Architekturbüros wie OMA, Herzog & de Meuron, Zaha Hadid, GMP, Snøhetta, Shigeru Ban, Renzo Piano bis hin zu Arbeiten junger Architekten und Designer, die den temporären Aspekt textiler Architektur ausloteten. Den zeitgenössischen Projekten wurden aber auch historische Beispiele zur Seite gestellt.
Die Ausstellung vermittelte die Thematik auf zwei unterschiedlichen Ebenen: Zum einen erhielten die Besucher durch Bilder, Texte und Architekturmodelle einen inhaltlich fundierten Überblick, zum anderen wurde durch die Verwendung von Textilien als raumbildende Elemente in der Ausstellung selbst ein sinnliches Raumerlebnis geschaffen (Abb. 1 ).
Die übergeordneten Themen „Dach, „Baldachin, „Schirm, „Vorhang und „Luftblase strukturierten mit diesen fünf weltweit verbreiteten Grundformen textiler Raumbildung den Ausstellungsparcours (vgl. Murr 2013, S. 3).
Materialforscher mit allen Sinnen
Die textile Ausstellungsarchitektur bot für Schulklassen eine ideale Möglichkeit, sich dem Thema des textilen Gestaltens im Raum sinnlich anzunähern.
Zu Beginn des Ausstellungsrundgangs war eine große Auswahl an textilen Baumaterialien in einer Art „Tastparcours (Abb. 2 ) zu sehen.
Dort begaben sich die jungen Besucher auf eine haptische Entdeckungsreise. Dies geschah bei Schulführungen im direkten Vergleich zu herkömmlich bekannten Materialien wie Stein, Beton, Holz oder Glas. Allein durch das Berühren der Oberflächen kamen die vielfältigen Eigenschaften des textilen Werkstoffes schnell zum Vorschein und wurden gemeinsam beschrieben: Textilien fühlen sich weich, warm, flauschig, kratzig oder glatt an. Sie sind mal durchsichtig, mal transparent, dünn oder voluminös.
Textile Stoffe lassen sich im Vergleich zu Glas oder Beton leicht falten, biegen, knüllen und dehnen. Dass ein leichter Baumwollstoff oder eine perforierte Folie andere Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten innerhalb der Architektur bieten als beispielsweise Holz oder Stein, zeigte sich den jungen Besuchern im...

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