7. – 9. Schuljahr

Christiane Schmidt-Maiwald

Von der Haut zur Hülle

Textile Strukturbildung für eine Körperhülle*

Dieses Unterrichtsbeispiel beschreibt das Erarbeiten einer Textilstruktur, die in Gemeinschaftsarbeit zu einer Hülle gefertigt wird. So führt ein textiler Materialimpuls zur Entwicklung einer Hautstruktur für ein tierisches Fabelwesen.

Beim Anfassen eines Stücks Stoff wandern die Hände über dessen Struktur, welche die Oberfläche charakterisiert entstanden durch das Weben bzw. durch eine Fadenbindung. Je nach Bindung, spürt man eine regelmäßige oder ungleichmäßige Anordnung der Fäden. Diese Bindung hat Auswirkungen auf die Festigkeit eines Stoffs und damit auf die Möglichkeit der Strukturveränderung, etwa für die Gestaltung einer „Drachenhaut (s. Kasten 1).
1|Geeignete Stoffe für eine Strukturveränderung
1|Geeignete Stoffe für eine Strukturveränderung
Möchte man die Struktur eines Gewebes verändern, arbeitet man am besten mit Stoffen, die auf der Leinwandbindung beruhen, da das Gewebe lockerer ist, z.B.
Aidastoff mit längs- und querlaufenden Leerstreifen, Kanevas mit gleichweiten Fadenabständen, Java- oder Panamastoffe, die zwei- oder mehrfädig sind oder das sogenannte Haustuch aus Baumwolle, aus dessen regelmäßigem Gewebe sich gut Fäden ziehen lassen (vgl. Oheim 1964, S. 31ff.).
Vorhangstoff oder Etamin ist locker gewebt: Es lassen sich Wollfäden, Kordeln und dünne Stoffstreifen durchfädeln, Kettfäden bündeln und abbinden.
Spitze kann industriell hergestellt sein oder von Hand geklöppelt, filetiert oder ge-häkelt. Sie zeichnet sich durch bereits vorgegebene Ornamente aus.
Besonders weich und durchsichtig ist Mull, der auch als Verbandstoff benutzt wird.
Gaze ist meist etwas starrer, da sie appretiert wurde (Appretur von frz. apprêt = Zurichtung bezeichnet die veredelnde Behandlung von Fasern, Fäden, Stoffen). Sie eignet sich mit dieser Festigkeit besonders gut, um plastisch in den Raum zu formen.
Bei Mull und Gaze kann man ganz leicht das Gewebe mit den Fingern verschieben, Löcher bohren oder Fäden so ziehen, dass das Gewebe sich rafft und bündelt.
Experimentierphase
Zu Beginn der Unterrichtsreihe machen sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Material vertraut, untersuchen dessen Aufbau und Eigenschaften und systematisieren ihre Erkenntnisse. Durch die besondere Struktur der unterschiedlichen Gewebe hält man aussagekräftige Anschauungsbeispiele für die Funktionsweise von Mustern und Formwirkung in Händen. So lassen sich die Prinzipien von Reihen-, Streuungs- und Ballungswirkung aufzeigen ebenso wie die Wirkung von Rhythmus, Symmetrien, Gruppierung, Spannung und Progression. Damit werden Empfindungen von Ruhe oder Bewegtheit, von Leere oder Fülle, Schwere oder Leichtigkeit verbunden.
Ist man sich dieser Gestaltungsmittel bewusst, kann man sie bereits bei der Auswahl von Stoffen berücksichtigen, etwa wenn Objekte mit Bezug zur Natur plastiziert werden sollen. Die Brücke vom Stoff zur Natur oder umgekehrt ist automatisch geschlagen, denn die Natur gibt unzählige Muster und Strukturen vor: z.B. die Einkerbungen in Schneckenhäusern oder Schildkrötenpanzern, Holzmaserungen, die Anordnung von Körnern im Getreide oder die Blattanordnung- und Ausformung bei Grünpflanzen, Gesteinsformationen usw.
  • Zielsetzung:Sensibilisierung für die Gemachtheit von Stoffen und ihre Eignung für die Oberflächengestaltung bzw. für das Verarbeiten in den Raum.
  • Kompetenz:Erkennen und Benennen von unterschiedlichen Bindungen sowie Erkennen der Systematik von Mustern und zurückführen auf Gestaltungsprinzipien.
  • Transfer:Texturen und Musterung von Stoffen in Strukturen bei Naturphänomen wieder erkennen.
Fabelwesen und Drachen
Tierpanzer, -häute und -schuppen weisen vielfältige reliefartige Strukturen auf, die sich gut über Textilien und textile Techniken wie das Stricken, Häkeln oder Abbinden nachempfinden lassen (s. MATERIAL-Seite 1 ).
Ein geeignetes Objekt, das Interesse der Schülerinnen und Schüler zu...

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