11. – 13. Schuljahr

Harm-Heye Kaninski

Ökotopie

Hochbeete im öffentlichen Raum

Im hier vorgestellten Unterrichtsbeispiel setzten sich Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Schulstufen mit Ökologie im Stadtraum und einem erweiterten Kunstbegriff auseinander.

In diesem Beitrag steht die Arbeit in der Jahrgangsstufe 11 des Marion Dönhoff Gymnasiums, Hamburg im Fokus der Unterrichtsbeschreibung. Die methodischen Schritte waren in den anderen Klassen ähnlich.
Künstlerisches Handeln als soziale Gestaltung
Nicht zuletzt „Fridays for Future zeigt ein starkes Bewusstsein für ökologische Problem- und Fragestellungen bei Kindern und Jugendlichen. In vielen von ihnen brennt ein Bedürfnis, durch Aktionen ihre Welt zum Besseren zu wenden. Das führt im Kunstunterricht zu Fragen, wie über künstlerisches Handeln als soziale Gestaltung ein Vordenken und wie über ungewohnte Formen ein Nachdenken über notwendige Veränderungen angestoßen werden kann.
Die in der „Fridays for Future-Bewegung visionierte „Ökotopie ist jene Form von Utopie, die heutigen Schülerinnen und Schülern die nächste ist. Gerade das Fach Kunst sollte diese Aktualität einer politischen Jugendbewegung nicht ignorieren.
Ökotopie und erweiterter Kunstbegriff
In der Unterrichtseinheit „Ökotopie und erweiterter Kunstbegriff formulierten die Lernenden auf die Frage nach der Gestaltung als Antwort: „die Veränderung des Gegenwärtigen.
In den anschließenden Unterrichtsstunden wurde durch einen Bezug zu Beispielen der Kunst eine eigene Positionierung im öffentlichen Raum gesucht. So sollten das Bedürfnis nach einer ökologisch bestimmten Zukunft und der mitschwingende Idealismus in einer gestalterischen Form vereint werden.
Der Unterricht siedelte in einem Bezug zwischen Alltagskultur, Bildender Kunst und dem erweiterten Kunstbegriff nach Joseph Beuys. Aufgrund der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen liegen Teile von Beuys´ Ideenwelt dem Verstehenshorizont der Heranwachsenden nun plötzlich überraschend nahe. Denn Beuys erweitert nicht nur den Kunstbegriff, sondern auch den Begriff der Ökologie, unter dem er den gesamten sozialen Organismus fasst. Diese Erweiterung nimmt in gewissen Maßen Teile des aktuellen Verständnisses von Ökologie als gesamtgesellschaftliche Herausforderung vorweg. Sie fordert ein Bewusstsein und Sensibilität für ökonomische und politische Aspekte, an denen sich auch jede künstlerische Arbeit zu messen hat (s. MATERIAL-Seite 1 ).
Für das Verständnis der Schüler war es allerdings nicht zwingend notwendig, Joseph Beuys und sein Werk direkt aufzugreifen.
Rezeptiver Einstieg: Agnes Denes
Agnes Denes Skulptur Living Pyramide (Abb. 1 ) bot den Einstieg zur Erörterung ökologisch ausgerichteter Gegenwartskunst.
Die neun Meter hohe Arbeit besteht aus aufeinandergestapelten Holzterrassen, die mit Erde und Pflanzen gefüllt sind. Ihre Kanten „wachsen als exponentiell steigende Kurven was der Pyramide im Gegensatz zu ihren steinernen Vorbildern eine gewisse Leichtigkeit verleiht. Eine Schülerin formuliert im Unterrichtsgespräch, es wirke durch die Einbuchtungen elegant, „als ob es wächst. Das nach oben Wachsende erinnere, so die Schüler, an „eine Plane, die mit einem Haken hochgezogen wird oder eine erstarrte Bewegung.
Deutung mit Blick auf den künstlerischen Prozess
Nach den subjektiven ersten Eindrücken beschrieben die Lernenden ihre Beobachtungen. Sowohl die Form der Pyramide als auch das Material lebendige Pflanzen überraschte sie. Ein Arbeitsblatt sollte die Ergebnisse zu folgenden Aspekten sichern:
  • Gattung,
  • Form,
  • Symbolgehalt,
  • Ort des Kunstwerkes,
  • Rolle der Künstlerin,
  • Rolle des Rezipienten ,
  • abschließend: eine aus diesen Punkten resultierende Deutung mit Blick auf den künstlerischen Prozess.
Diese künstlerische Strategie, Prozesse nur anzustoßen, erweiterte bei den Schülerinnen und Schülern das Verständnis für zeitgenössische Konzepte und Strategien von Kunst. Abschließend wurden Beispiele aus dem Design der Gruppe...

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