10. – 13. Schuljahr

Katharina Knaus

Utopien auf Probe?

Ein Selbstexperiment

Das hier vorgestellte Unterrichtsbeispiel zielt auf die Durchführung eines Selbstexperiments, bei dem die Schülerinnen und Schüler Wunschvorstellungen in ihrem Alltag erproben sollen.

Die Lebenswelt von Jugendlichen ist stark durch inszenierte Bilder in sozialen Netzwerken geprägt. Diese Inszenierungen dienen als Ausgangspunkt für den Entwurf eines eigenen Konzepts. Ausgangsfragen sind dabei: „Wie wollen wir wohnen, wie wollen wir sein? Das Projekt in der 10. Jahrgangsstufe ist in vier Unterrichtsabschnitte gegliedert: Dem Input folgt die selbstständige Recherche. Im Zentrum der Praxis steht ein Selbstexperiment und dessen Dokumentation. Mit einem Exkurs zu Gestaltungsregeln der Fotografie wird die Praxisaufgabe fundiert. Letztlich folgen die Präsentation der Ergebnisse und die gemeinsame Reflexion in der Lerngruppe.
Input und selbstständige Recherche
In den ersten beiden Stunden führen gemeinsame Recherche, Begriffsklärung und Diskussionen zur individuellen Themenfindung der Lernenden. Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern werden unterschiedliche Vorstellungen von Utopien (und Dystopien) der Alltagskultur erarbeitet.
Utopien des Wohnens
Zunächst wird der Fokus auf Utopien des Wohnens gelegt unter der grundsätzlichen Fragestellung: Was bedeutet „Wohnen überhaupt?
Einen Beitrag zur Diskussion liefert der Kinotrailer zum Film Expedition Happiness (https://www.youtube.com/watch?v=8sRdrFN7-Qc): Ein Instagram-Pärchen baut einen alten Schulbus zum stylischen Camping-Van um und reist damit von Kanada nach Mexiko (vgl. Stark 2017, o. S.). Der Filmausschnitt ist Anlass dafür, über die Bedeutung von „Nomadentum in der heutigen Zeit zu diskutieren:
  • Wie viel Platz braucht man zum Leben?
  • Wie passt der Trend der Tiny Houses zu unserer Zeit?
  • Wie steuert die Inszenierung auf Instagram unsere Reisen?
  • Welche neuen Formen des Zusammenlebens können wir denken?
All diese Aspekte werden in der Klasse anhand von Beispielen kontrovers diskutiert.
Entwicklung eines Selbstexperiments
Zum Ende der Stunde bekommen die Schülerinnen und Schüler den Auftrag, ein Konzept für ein Selbstexperiment zu entwickeln. Dabei sollen sie selbst entweder einer Ideal- bzw. Wunschvorstellung oder einer gesellschaftlichen Dystopie nahekommen. Das Experiment soll mindestens eine Woche lang dauern und die Erfahrungen sollen dokumentiert werden. Die Dokumentation soll sowohl in schriftlicher als auch in bildnerischer Form erfolgen. Neben der klassischen Verschriftlichung in Form eines Tagebuchs ist auch das Führen eines digitalen Videotagebuchs möglich.
Nachdem die Lernenden in den letzten Minuten der Stunde die Gelegenheit haben, in Kleingruppen Konzeptideen zu entwerfen, wird auf eine selbstständige Recherche bis zur nächsten Stunde verwiesen. Zur Sicherung und weiteren Recherche werden Texte zu den im Unterricht diskutierten Themen sowie der Arbeitsauftrag ausgeteilt (s. Kasten 1).
Arbeitsauftrag: Selbstexperiment
Arbeitsauftrag: Selbstexperiment
Lebe deine Utopie!
Entwickle ein Konzept für eine Tagesroutine, durch die du einer Ideal-/Wunschvorstellung oder gesellschaftlichen Dystopie deiner Wahl nahekommst.
Gehe von deiner Lebenswelt aus und orientiere dich dabei auch an Wunschvor-stellungen, die durch Instagram verbreitet werden.
Beschreibe dein Konzept in kurzen Sätzen und gib dabei auch die Referenz an, auf die du dich beziehst.
Herangehensweise: Selbstexperiment und Dokumentation
Überlege dir ein Experiment, das du mindestens eine Woche durchhalten kannst und das dich gleichzeitig fordert!
  • Verlasse deine Komfortzone!
  • Dokumentiere deine Erfahrungen jeden Tag mit einem Foto sowie in schriftlicher (Tagebuch) oder mündlicher Form (Video).
  • Bei der Durchführung des Experiments darf keine Verletzungsgefahr bestehen!
Inszenierung von Utopien
Zu Beginn der nächsten Stunde wird unter dem Thema „Die Inszenierung von Utopien ein Ausschnitt aus der Dokumentation...

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