8. – 11. Schuljahr

Juergen Brugger

Von Utopia nach Dystopia und zurück

Filmsequenzen als Inspiration für eigene Zukunftsentwürfe

Bei Streamingdiensten erzielen Filme mit spektakulären Zukunftsvisionen hohe Einschaltquoten. Auf unterschiedlichsten Wiedergabegeräten omnipräsent, sind sie ein Teil der Lebenswelt von Schülerinnen und Schülern und bilden ein Bilderreservoir, das für den Kunstunterricht genutzt werden kann.

In einer Klasse der 8. Jahrgangsstufe des Gymnasiums werden kurze Ausschnitte aus den Filmen Metropolis, Mad Max und Krieg der Sterne gezeigt als Möglichkeiten einer Annäherung an filmische Utopien. Sie zeigen soziopolitische Vorstellungen aus unterschiedlichen Zeiten und architektonische Innovationen und fantastische Errungenschaften der Menschheit. Einige davon bizarre Roboter und futuristische Raumgleiter sind bei den Jugendlichen bereits bekannt. Doch immer sind es meist technoide Fortschreibungen und Steigerungen bisheriger Konzepte Reflexivität und Analyse des Bisherigen taugt nicht für die Kinokasse.
Unterrichsverlauf
Nach dem Betrachten und Besprechen der Filmausschnitte werden in Gruppenarbeit die nach persönlicher Ansicht gelungenen Szenen beschrieben und als Inspiration für eine eigene bildnerische Arbeit genutzt. Die Schwierigkeiten einer Übertragung von bewegten Bildern auf ein Zeichenblatt sind dabei ebenso Teil der Überlegung wie die richtige Wahl von Ausschnitt und Ansicht.
Reduktion des Bewegtbilds
Das Ziel ist, Imaginations- und Darstellungsfähigkeit zu fördern (Schilling/Krautz 2015, S. 4), um die „starken Filmstills in eigene Erzählungen zu überführen.
Mit Stills wird das attraktive Medium Film aufgegriffen, ohne in die Fallstricke einer eigenen Produktion zu geraten. Zur Vorbereitung empfehlen sich die Übungen, die Dietmut Schilling als modulare Übungen vorgestellt hat (ebd., S. 8f.). Dabei geht es auch darum, den vom Film oder den Skriptideen für neue Filmerzählungen ausgehenden Bilderreichtum durch Reduktion in prägnante Zeichnungen zu übersetzen.
Die Beispiele aus dem Unterricht sind erste Versuche und Annäherungen, komplexe und dynamische Bewegtbilder in einem Simultanbild zu fassen.
Utopische Ideen sammeln
Als Hausaufgabe sollen die Schülerinnen und Schüler verschiedene ihnen bekannte utopische Ideen sammeln und diese in der folgenden Stunde als Ausgangspunkt für ihren eigenen Kosmos verwenden.
Hierbei ist eine Annäherung an den Bereich Fantasy und Science Fiction möglich. Neben computergenerierten Bildern und Comics werden auch thematisch passende Videospiele mitgebracht und vorgestellt.
Technik: illusionistische Buntstiftzeichnung
Als Technik für die geplante Arbeit wird festgelegt: Buntstifte auf DIN A3-Format, mit denen vollfarbig, blattfüllend und räumlich-illusionistisch gearbeitet werden soll.
Utopie oder Dystopie?
Entscheidend ist für die Lernenden bei der Umsetzung die Fragestellung, ob es sich bei der neuen Welt tatsächlich um eine schöne handeln sollte. Diskussionspunkte wie Klimaerwärmung und Naturkatastrophen, Epidemien und Seuchen sowie Krieg und Terrorismus führen teils zu einer skeptischen Haltung. Wie wir uns eventuell schützen könnten und welche Überlebensstrategien entwickelt werden müssten, sind drängende Überlegungen. Der Begriff der Dystopie wird herausgearbeitet und ist als mögliches Gegenmodell zu einer erfolgreichen Zukunft stets präsent.
So werden teils düstere Szenerien erschaffen, in denen die Menschheit sichtlich am Abgrund steht. In Abb. 1 scheinen Drachen und Maschinen der Zivilisation enorm zuzusetzen, indem Energievorräte zerstört und Behausungen angegriffen werden. Eine Person im gelben Strahlenschutzanzug versucht, sich am Rande des Geschehens aus dem Bildraum zu verabschieden, während an anderen Stellen bereits die Flammen lodern.
Die Menschenleere in Abbildung 2 deutet darauf hin, dass der Kampf bereits entschieden ist: Ein abgestürzter Helikopter, eine eingetretene Tür und unübersehbare Fassadenschäden...

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