9. – 13. Schuljahr

Jasmin Böschen | Lena Niehoff

Was ist das „gute Leben?

Fiktive „Identitäten auf Instagram zum Leben erwecken

In diesem Unterrichtsbeispiel werden verschiedene Inszenierungsmechanismen, die hinter den Lebensentwürfen in sozialen Netzwerken stehen, erforscht. In der Auseinandersetzung mit gängigen Klischees und künstlerischen Positionen entwickeln die Lernenden eigene fiktive Lebensutopien.

Die hier vorgestellte Unterrichtseinheit aus einer 9. Klasse einer Hamburger Stadtteilschule nimmt ihren Ausgangspunkt bei der Frage nach „dem guten Leben einer Utopie, nach der das eigene und gesellschaftliche Leben gestaltet werden könnte. Diese Frage kann man nicht verallgemeinernd beantworten alles hängt von einer Vielzahl an Faktoren ab.
Schneller, besser, schöner?
Da Schülerinnen und Schüler in einer Welt aufwachsen, in der sie ständig mit Entwürfen konfrontiert sind, die sie dazu anspornen sollen, schneller, besser und schöner zu sein, kann auch die Verlagerung dieser Frage auf den Einzelnen nicht die Lösung sein. Besonders die Social Media Plattform und Smartphone-App Instagram, auf der vor allem Fotos und „Stories genutzt werden, um sich anderen mitzuteilen, bietet einen reichen Fundus an verschiedensten Utopien. Auf Instagram präsentieren Influencerinnen und Influencer Entwürfe ihrer selbst in oft idealisierter, klischeebehafteter und ökonomisch rentabler Form. Mit diesen Posts üben sie einen Einfluss darauf aus, wie sich die Idealbilder der Jugendlichen konstituieren.
Die Unterrichtseinheit stellt einen Versuch dar, Schülerinnen und Schüler mit Inszenierungsmechanismen auf Instagram zu konfrontieren und sie gleichermaßen dazu zu motivieren, diese zu unterlaufen und die offengelegten Prozesse in der eigenen künstlerischen Produktion zu verinnerlichen.
Kritische Distanz
Hierbei unternehmen wir eine Gratwanderung zwischen der reinen Reproduktion aus dem Alltag bekannter Stilmittel und der Gefahr, den Schülerinnen und Schülern ein Stück ihrer Alltagskultur madig reden zu wollen.
Es kann also passieren, dass wir die Schülerinnen und Schüler nicht mehr „abholen wie es oft in didaktischen Ratgebern heißt sondern dass wir uns einfach dorthin begeben und dort bleiben, wo die Jugendlichen es gemütlich haben, oder dass wir sie mitschleifen und auf dem Weg verlieren.
Die Herausforderung besteht daher in der Konfrontation mit Neuem. Das Ziel der Einheit ist es, dass sich hin und wieder eine reflexive Distanz einstellen kann und dadurch eine andere Form der Medienproduktion. Dies ist ein heikles Unterfangen, das nicht nur von den Schülerinnen und Schülern, sondern auch von den Lehrenden immer wieder eine kritische Distanznahme erfordert. Denn gerade eine prozessorientierte Aufgabe benötigt eine stetig neue Auseinandersetzung darüber, wann wir Klischees verfallen und wann wir Neues zulassen können.
Einstieg: Die Frage nach dem guten Leben
Als Einstieg in die Diskussion dient eine Anfangsszene der Serie Black Mirror (Staffel 1, Folge: Abgestürzt), in der düstere Utopien präsentiert werden. In einer Welt leben, in der man sich nach jeder kleinen Interaktion mit seinen Mitmenschen über eine Art Smartphone und spezielle Kontaktlinsen bewertet? Die Schülerinnen und Schüler erkennen viele Gemeinsamkeiten mit der Smartphone-Kultur.
Im Anschluss daran reflektieren die Lernenden über ihre Vorstellung eines guten Lebens. Das Gespräch wird durch das Einbinden einiger Instagram-Fotos der Influencerin Xenia Overdose (https://www.instagram.com/xeniaadonts/) auf die Präsentation eines guten Lebens in Social Media gelenkt.
Einige ihrer zuvor genannten Aspekte entdecken die Schülerinnen und Schüler sofort wieder. So präsentiert sich Overdose mit jeder Menge Luxusgütern an schönen Orten, oft umringt von Freunden oder einflussreichen Bekannten. Im Gespräch werden die Mitteilungsabsichten der Instagram-Fotos von Overdose hinterfragt und erste Vermutungen über den Inszenierungsgrad der Fotos angestellt.
Nutz...

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