6. – 8. Schuljahr

Sabrina Grünauer

Zeit-Imagination: Zukunft vorstellen

Bildfindungen zu einem abstrakten Begriff

Für Schülerinnen und Schüler einer sechsten Klasse ist Utopie ein abstrakter Begriff. So haben wir dieses Thema als ein Bild über die Vorstellungen zur „Zeit befragt. Bilder der Kunst und viele gestalterische Übungen führten über das Zeitverständnis zu utopischen Entwürfen.

In dieser ästhetisch-forschenden Unterrichtssequenz ging es um ein „Denken nach vorn (Ernst Bloch). Das etüdenhaft bildnerische Handeln der Lernenden zielte auf das Sichtbarmachen des Möglichen als Alternative zum Wahrgenommenen, auf ein optionales Gegen-Bild und auf die Erweiterung der Vorstellung.
Zwölfjährigen gelingt kaum eine Aussage zum Begriff Zeit, die in die Zukunft gerichtet ist. Deshalb berichteten sie lösungsoffen von ihren unterschiedlichen Wahrnehmungen und ließen diese von anderen befragen. Im Hintergrund stand Blochs Aussage: „Die Zeit ist etwas, was erst noch gefunden werden muss.
Zur Unterrichtssequenz
Die erste Viertelstunde jeder Doppelstunde ein „philosophisches Viertelstündchen fungierte als Gedankenöffner, bot Input und Übung im Perspektivwechsel: Wir erforschten künstlerische Vorstellungen vom Zeitbegriff in Bildbefragungen anhand eigener Erfahrungen und formulierten bildnerische Antworten auf die entstehenden Problemstellungen. Grundlage für die Auseinandersetzung war die Frage: Wie können wir die Welt erfahren und wie können wir ihrer habhaft werden, um sie voranzudenken?
Startimpulse zu jeder Lerneinheit in der gesamten Sequenz waren Texte, Bilder, Musikstücke und Filmausschnitte als Grundlage für eine Befragung zum Thema, z.B.:
  • Christoph Ransmayr: Cox oder Der Lauf der Zeit. Frankfurt/M. 2016
  • Michael Ende: Momo. München 1988
  • Film: George Pal: Die Zeitmaschine. 1960
  • Musik: Steve Reich
Zum Zeitbegriff
Der Begriff Zeit wurde von den Kindern aus ihnen bekannten und neu kennenzulernenden Denk- und Bildmustern heraus untersucht anhand von digitalen Zeitmessgeräten, symbolischen Darstellungen von Zeitlichkeit und der ikonografischen Geschichte der Zeit. Verstärkt wurde dieser kognitive Zugang durch emotionale, mediale und sinnliche Erfahrungen zum Zeitempfinden und Eindrücke zu kulturell bedingten zeitgeistlichen Einstellungen.
Zeitmesser
Um bei den Schülerinnen und Schülern ein Bewusstsein für menschheitsgeschichtlich unterschiedliche Vorstellungen der Bedeutung von Zeit entstehen zu lassen, zeigten wir ihnen zunächst verschiedene Uhren. Die Lernenden untersuchten z.B. die Funktionen und Einsatzmöglichkeiten einer Jahreszeitenuhr, die durch Schattenwurf die Eintrittszeiten der Sonne in die Tierkreiszeichen bestimmt. Elias fragte: „Welche Idee von Zeit hat jemand, der den Sonnenstand als Uhr verwendet? Eine spontane Antwort: „Der Sonnenlauf bestimmt manchmal mein Zeitgefühl. Es ist ein Bauchgefühl, aber oft genauer als die digitale Uhr. Mein Gefühl sagt mir nicht, wann Zeit ist zu essen, sondern wann ich Hunger habe.
Besondere Faszination übten die Bestimmung von Datum und Uhrzeit anhand von Sternenkonstellationen aus. Ein „Sternennehmer ermöglicht z. B., anhand der Position von Fixsternen, der geografischen Breiten und der stereografischen Projektion der Haupthimmelskreise sowie einem Visierlineal und Winkelmesser, Datum und Uhrzeit zu bestimmen.
Lene philosophierte: „Wenn die Zeit an Sternen und Kreisläufen in der Natur ablesbar und messbar ist, will ich wieder mehr draußen sein. Stell dir vor, du lebst auf einem Schiff. Von dort kannst du den ganzen Sternenhimmel überblicken: Er sagt dir, wann es Zeit ist zu essen, zu schlafen und wie viele Tage deine Reise noch dauert.
Die Beschäftigung mit Zeitmessgeräten fand jeweils vor dem Hintergrund folgender Fragestellungen statt:
  • In welcher Form und auf welche Weise wird Zeit und ihr Ablaufen gemessen (Hilfsmittel, Bezugssysteme, Orientierung)?
  • Wie beeinflussen diese Darstellungen der Zeit unsere Vorstellungen von Zeit (Wahrnehmung von...

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